Hamburg (SID) - Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone (82) gerät nach seiner Anklageerhebung wegen Untreue und Bestechung immer mehr unter Druck. Neben Mercedes rückt auch Ecclestones Arbeitgeber von dem umstrittenen Briten ab. "Der Vorstand wird die Entwicklung der Situation weiterhin entsprechend beobachten", teilte das Investmentunternehmen CVC mit, dessen Geschäftsführer Ecclestone ist. Der Hauptaktionär der Formel 1 vermied in der lediglich vier Sätze langen Mitteilung allerdings ein klares Bekenntnis zu Ecclestone.

Derweil hat unter den Teams, Sponsoren und weiteren Teilhabern der Rennserie die Diskussion darüber begonnen, ob Ecclestone wegen seines drohenden Gerichtsverfahrens noch tragbar ist. Vor allem die großen Sponsoren haben strenge Compliance-Regeln, die einer Zusammenarbeit mit Straftätern klare Grenzen setzen. "Compliance ist für Daimler von zentraler Bedeutung", teilte der Konzern mit: "Wir befürworten die Aufklärung der Vorwürfe gegen den CEO der Formel 1." Man werde über das weitere Vorgehen mit den anderen Partnern der Formel 1 beraten und sich "danach wieder äußern".

Bereits Ende Mai hatte Christine Hohmann-Dennhardt, Daimlers Konzern-Vorstand für Integrität und Recht, eine Art Ausstiegsklausel im Vertrag mit Ecclestone bestätigt. "Das geht bis zum Kündigungsrecht", sagte die ehemalige Bundesverfassungsrichterin: "Die Vertragsklauseln würden wir auch nutzen, wenn es nötig ist - man muss das abwarten."

Trotz Anklage wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung schließt Ecclestone (82) einen Rücktritt aber weiter kategorisch aus. "Ich werde das tun, was ich immer gemacht habe: Weiter arbeiten und meinen Job tun. Für mich ändert sich durch diese Sache nichts", sagte Ecclestone.

Ecclestone soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs einer Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben. Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hat Ecclestone schwer belastet. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein.

Ecclestone droht im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren. Bereits vor längerer Zeit soll CVC einen Headhunter beauftragt haben, einen potenziellen Nachfolger für Ecclestone zu finden.