Hamburg (SID) - Sylvia Schenk (61), Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Agentur Transparency International, hat Mercedes in der Schmiergeld-Affäre um Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone (82) zum Handeln aufgefordert. "Natürlich müssen diese Regeln nun auch Anwendung finden", sagte Schenk dem SID, angesprochen auf die strengen Compliance-Regeln des Unternehmens, die einer Zusammenarbeit mit potenziellen Straftätern klare Grenzen setzen.

"Aber Daimler hat ja bereits erklärt, dass sie Konsequenzen erwarten, sollte es zur Anklageerhebung oder zur Verurteilung kommen", sagte Schenk, "Daimler wird sich das weitere Vorgehen jetzt ganz genau überlegen."

Insgesamt hat die renommierte Korruptions-Bekämpferin die Rennserie als "intransparent" gegeißelt. "Die Verträge innerhalb der Formel 1 sind undurchsichtig und bei Ecclestone monopolisiert. Die Teams werden in Extra-Deals gegeneinander ausgespielt, so organisiert man heutzutage kein Unternehmen mehr", sagte Schenk.

Gegen Ecclestone wurde am Mittwoch wegen Anstiftung zur Untreue und Bestechung von der Staatsanwaltschaft München Anklage erhoben. Der Brite soll dem früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld im Zuge des Verkaufs einer Formel-1-Beteiligung der BayernLB an den britischen Investor CVC gezahlt haben. Der mittlerweile zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky hat Ecclestone schwer belastet. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein.

"Interessant ist doch besonders die Frage, warum sich Ecclestone angeblich erpressen lässt und 40 Millionen zahlt. Das ist auch für ihn kein Trinkgeld", sagte Schenk, "welche Ängste hatte er? Seine Steuerprobleme in England scheinen ja recht massiv zu sein. Sollte es zum Prozess kommen, dürfte dieser Fakt auch für Aufsehen sorgen. Es wird sicher schwer für ihn, da wieder herauszukommen."