Moskau (dpa) - Der bekannte russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist in einem umstrittenen Prozess wegen Veruntreuung schuldig gesprochen worden. Ein Strafmaß verkündete Richter Sergej Blinow in der Stadt Kirow zunächst nicht.

Die Urteilsverkündung dauerte an. Nawalny soll 2009 als Berater eine staatliche Holzfirma um umgerechnet rund 400 000 Euro geprellt haben. Die Staatsanwaltschaft hat sechs Jahre Arbeitslager für den 37-Jährigen gefordert. Der prominente Kämpfer gegen Korruption weist die Vorwürfe hingegen als politische Inszenierung des Kreml zurück.

Das Urteil in Kirow rund 900 Kilometer nordöstlich von Moskau gilt als Gradmesser für den Umgang mit Andersdenkenden in Russland. Mehr als 100 Journalisten hatten sich am frühen Morgen vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Es gab nur 60 Plätze.

In Moskau warnten die Behörden vor Protesten der Opposition. Es gebe keine Genehmigung dafür, hieß es. Sicherheitskräfte sperrten den Manegenplatz nahe dem Machtzentrum Kreml ab. Dort wollten Nawalnys Anhänger im Fall eines Schuldspruchs demonstrieren.

Trotz der Verurteilung kann Nawalny weiter in Moskau als Bürgermeisterkandidat antreten, sollte er in Freiheit bleiben. Bis das Urteil rechtskräftig ist, genieße der Politiker Schutz, teilte die Wahlleitung mit. Die Abstimmung findet am 8. September statt.

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