Moskau (dpa) - Nach einem umstrittenen Prozess gegen den Kremlkritiker Alexej Nawalny erwartet Russland mit Spannung das Urteil in dem internationalen beachteten Verfahren wegen Untreue.

Schon in der Nacht versammelten sich in der Stadt Kirow vor dem Gerichtsgebäude mehr als 100 Reporter, um im Saal einen der 60 Plätze zu besetzen, wie die Agentur Interfax meldete. Dem prominenten Kämpfer gegen Korruption droht eine Haftstrafe.

Der 37-Jährige soll 2009 ein Staatsunternehmen um umgerechnet 400 000 Euro geprellt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb sechs Jahre Arbeitslager. Nawalny hatte die Vorwürfe als politische Inszenierung zurückgewiesen. Der Ausgang des Verfahrens rund 900 Kilometer nordöstlich von Moskau gilt als Gradmesser für den Umgang mit Andersdenkenden in Russland.

In Moskau warnten die Behörden vor Protesten der Opposition gegen einen möglichen Schuldspruch. Es gebe keine Genehmigung dafür, hieß es. Auch im Fall einer Verurteilung kann Nawalny weiter als Bürgermeisterkandidat antreten, sollte er in Freiheit bleiben. Bis das Urteil rechtskräftig ist, genieße der Politiker Schutz, teilte die Wahlleitung in Moskau mit. Die Abstimmung ist am 8. September.

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