Växjö (dpa) - Jetzt gibt es keine Ausreden mehr: Die deutschen Fußball-Frauen müssen sich im Viertelfinale gegen Italien wieder als spiel- und kampfstarke Einheit präsentieren. Sonst ist der EM-Titel futsch und die Diskussion um Bundestrainerin Silvia Neid würde Fahrt aufnehmen.

Nicht zuletzt deshalb formulierte Teammanagerin Doris Fitschen eine klare Forderung an das Team, das bisher bei der Europameisterschaft in Schweden unter seinen Möglichkeiten blieb. «Man kann gegen Italien ausscheiden. Das ist eine sehr schwer zu spielende Mannschaft. Aber wenn man ausscheidet, kommt es darauf an, wie man ausscheidet.»

Gefordert sind in der ungemütlichen Situation vor allem die älteren und erfahrenen Spielerinnen wie Torhüterin Nadine Angerer, die Innenverteidigung mit Annike Krahn und Saskia Bartusiak, sowie die Doppel-Sechs mit der nach einem Infekt wieder genesenen Lena Goeßling und Nadine Keßler. Auch Topstürmerin Celia Okoyino da Mbabi ist nach eigenem Empfinden eine Führungsspielerin. Doch auch die Torjägerin ließ bislang zu viele Chancen liegen. Schließlich hat die DFB-Elf nur beim 3:0 gegen Island getroffen, viel zu wenig für den hoch gehandelten Rekord-Europameister, der seinen Favoritenrolle verloren hat.

Die 28-jährige Krahn ist eine der wenigen wirklichen Kämpfertypen in der Elf. So ist es kein Wunder, dass die Bochumerin vor allem «die Körpersprache» der Teamkolleginnen im mit 0:1 verlorenen letzten Gruppenspiel gegen Norwegen monierte. «Die Körpersprache fehlte definitiv, dass man den unbedingten Willen sieht, das Spiel noch zu drehen.» Auch Okoyino da Mbabi war das aufgefallen. Dabei habe man auch in diesem Jahr schon bewiesen, dass man nach Rückständen zurückkommen könne, betonte die Stürmerin: «Wie beim 3:3 gegen Frankreich oder beim 3:3 gegen die USA.»

Auch Neid fand wenig Gefallen am fahrigen Auftritt gegen Norwegen, gegen die «nickeligen» und «ausgebufften» Italienerinnen könne man sich ein derart unkonzentriertes Verhalten nicht leisten. «Da muss man die Ärmel aufkrempeln und sich ins Spiel reinkämpfen, wenn es mal nicht von Anfang an so läuft.» Der 49-Jährigen ist zudem klar, dass auch sie verstärkt in den Fokus gerät, wenn es gegen Italien schief läuft. Auch wenn der eigens anreisende DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ihr demonstrativ den Rücken stärkte. Doch es wäre es nach dem bitteren Scheitern bei der verkorksten Heim-WM vor zwei Jahren schon die zweite Viertelfinal-Niederlage bei einen großen Turnier unter Neids Führung.

Da hilft auch die glänzende Bilanz zwischen WM und EM wenig. Denn der Weltranglisten-Zweite verlor von 30 Partien seit dem denkwürdigen 0:1 gegen Japan am 9. Juli 2011 in Wolfsburg nur zweimal. Am 13. März dieses Jahres im Algarve-Cup-Finale (0:2 gegen die USA) und eben am vergangenen Mittwoch gegen Norwegen. Darüber hinaus stehen 20 Siege und acht Remis bei einem Gesamt-Torverhältnis von 100:22 zu Buche.

Keiner im DFB-Team hat Lust darauf, dass gegen Italien am Sonntag die dritte Pleite folgt. Das erste EM-K.o.-Spiel wäre ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Und so sollten sich alle Angerers Appell zu Herzen nehmen, den die Spielführerin direkt nach der Norwegen-Pleite ans Team richtete: «Wenn wir nicht bald den Arsch hochkriegen, wird das kein gutes Turnier!»

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