Washington/Berlin (dpa) - Ein streng geheimes US-Gericht hat die Genehmigung zum Sammeln von Telefonverbindungsdaten durch die US-Behörden verlängert. Das teilte das Büro des obersten Chefs der US-Geheimdienste, James Clapper, am Freitag (Ortszeit) mit.

Die Datensammlung ist Teil eines Überwachungsprogramms zur Terrorabwehr, das von dem Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden aufgedeckt worden war.

Die Ausspäh- und Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA, mit denen auch in Deutschland zigtausendfach Daten von Telefon- und Internetnutzern gesammelt worden sein sollen, haben weltweit für Empörung gesorgt. Einzelheiten und Umfang der Ausspähung sind aber seit Wochen unklar.

Die Bundesregierung hat von Washington Informationen zu dem "Prism" genannten Programm angefordert. Man habe den Amerikanern einen umfangreichen Fragenkatalog übermittelt und warte nun auf Antworten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Sie rief die USA erneut auf, auf deutschem Boden deutsches Recht einzuhalten.

Der Opposition reicht das nicht aus. "Nach fast sieben Wochen haben wir immer noch keine Klarheit, was geschehen ist. Das ist beschämend", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, der auch dem für die Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium vorsitzt, der "Bild am Sonntag". Es gebe klare Hinweise, dass die Regierung mehr über das US-Spähprogramm "Prism" gewusst habe als sie zugebe.

Die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries forderte die Bundesregierung auf, die Aktivitäten der US-Geheimdienste hierzulande zu stoppen. Um solche Aktionen zu verhindern, "brauchen wir Verträge zwischen der EU und den USA", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Nötig seien zudem "internationale Vereinbarungen, die sicherstellen, dass europäische Mitgliedsstaaten und Partnerländer sich nicht gegenseitig ausspähen".

Wann genau der für die Überwachung der US-Geheimdienste zuständige Foreign Intelligence Surveillance Court die Genehmigung zur Telefondatensammlung nach dem Auslandsspionage-Gesetz FISA verlängert hat, wurde nicht mitgeteilt. Die bis dato bestehende Erlaubnis wäre am Freitag ausgelaufen.

Normalerweise bleiben Entscheidungen des Gerichts geheim. "Angesichts des erheblichen und anhaltenden öffentlichen Interesses an dem Programm zur Sammlung der Telefonverbindungsdaten" habe man sich aber dazu entscheiden, den Antrag der Regierung und dessen Genehmigung durch das Gericht freizugeben und öffentlich zu machen, heißt es in der Mitteilung des Büros des Direktors der Nationalen Geheimdienste (DNI).

DNI-Mitteilung

Berichte des "Guardian" zu den Überwachungsprogrammen

Bericht des "Guardian" zum NSA-Programm "Prism"

Bericht der "Washington Post" zu "Prism"

Bericht des "Spiegel" zur Zusammenarbeit von BND und US-Diensten

Snowden-Interview mit Video beim "Guardian"

Bericht des "Guardian" über Überwachung durch britischen Geheimdienst

Bericht von "Spiegel Online" zur Überwachung von EU-Vertretungen durch die NSA