Amman/Ramallah (dpa) - US-Außenminister John Kerry hat in monatelangen Bemühungen Israel und die Palästinenser zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen bewegen können.

Unterhändler beider Seiten sollten schon kommende Woche in Washington direkte Gespräche aufnehmen, sagte Kerry am Freitagabend zum Abschluss seiner sechsten Vermittlungsreise in den Nahen Osten in der jordanischen Hauptstadt Amman. Die Details, die Grundlage der Gespräche bilden sollen, nannte der US-Chefdiplomat nicht.

Nach vielen gescheiterten Verhandlungen seit Unterzeichnung des Oslo-Abkommens am 13. September 1993 sollen Israel und die Palästinenser damit einen neuen Anlauf unternehmen, Frieden zu schließen. Ziel des seit 20 Jahren währenden Friedensprozesses ist es, dass Israel sowie ein demokratischer und entmilitarisierter Palästinenserstaat friedlich nebeneinander leben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte die Vermittlung von US-Außenminister John Kerry und appellierte an die Konfliktparteien, Führungsstärke, Mut und Verantwortung zu beweisen, um diese Anstrengungen in Richtung einer Zwei-Staaten-Lösung fortzuführen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton unterstrich den Mut des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Außenminister Guido Westerwelle sprach von einer enormem Bewegung der beiden Parteien aufeinander zu. Auch US-Präsident Barack Obama hatte sich zuletzt in die Gespräche eingeschaltet. Er forderte Netanjahu in einem Telefonat auf, weiter mit Kerry für einen Neustart der Friedensgespräche zusammenzuarbeiten.

Kerry hatte in Amman angekündigt, dass Israel und Palästinenser nach fast drei Jahren Funkstille zur Wiederaufnahme direkter Friedensverhandlungen bereit seien. "Im Namen von Präsident Obama kündige ich mit Genugtuung an, dass wir eine Übereinkunft erzielt haben, die eine Basis für die Wiederaufnahme direkter Verhandlungen über ein (den Konflikt) beendendes Abkommen bietet", sagte er bei einer Pressekonferenz auf dem internationalen Flughafen von Amman.

"Das Übereinkommen muss noch formell ausgearbeitet werden, und deshalb werde ich auf keinen Fall hier jetzt über Einzelheiten sprechen", fügte er vor seinem Heimflug nach Washington hinzu. Ein Sprecher von Abbas bestätigte die Übereinkunft.

Israelische Politiker aus dem Mitte-Links-Lager begrüßten die Einigung ausdrücklich. Die israelische Oppositionsführerin Schelly Jachimowich von der sozialdemokratischen Arbeitspartei bekräftigte, die 15 Parlamentarier ihrer Partei würden Netanjahu unterstützen. Sie könnten damit den angedrohten Austritt rechter Kräfte aus der Regierungskoalition ausgleichen. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas lehnte die Gespräche erwartungsgemäß ab.

Dagegen äußerten sich Netanjahu sowie Gegner einer Zwei-Staaten-Lösung aus dem rechten Regierungslager vorerst nicht. In Israel dauert der Schabbat vom Freitagabend bis zum Sonnenuntergang am Samstagabend. Während des Ruhetages geben viele Politiker in der Regel keine Erklärungen ab. Netanjahu hatte jedoch stets betont, er sei zu sofortigen Verhandlungen mit Abbas bereit. Auch die Arabische Liga hatte Kerrys Vorschläge für die Gespräche gutgeheißen.

Offen blieb, ob und welche Zugeständnisse Israel und Palästinenser gemacht haben, um den Durchbruch zu ermöglichen. Abbas hatte stets die Anerkennung der Grenzen von 1967, einen vollständigen Siedlungsstopp und die Freilassung von mehr als 100 palästinensischen Langzeithäftlingen aus israelischen Gefängnissen als Vorbedingung von Gesprächen genannt. Netanjahu lehnte Bedingungen ab. Beide Seiten standen im eigenen Lager unter Druck, nicht nachzugeben und zugleich bei einem Scheitern Kerrys nicht als Schuldiger dazustehen.

Times of Israel

Haaretz