Barcelona (dpa) - Isabelle Härle schwankte zwischen Trauer und Freude. Die Freiwasserschwimmerin sorgte als Fünfte über fünf Kilometer für einen gelungenen deutschen Auftakt bei den Weltmeisterschaften in Barcelona.

"Ich wollte unter die ersten Zehn kommen. Im Endeffekt ärgere ich mich trotzdem. Ein dritter Platz wäre möglich gewesen", sagte die 25 Jahre alte Essenerin. Nur 1,5 Sekunden fehlten Härle in ihrem erst zweiten Einzel-Rennen bei einem internationalem Großereignis zum Überraschungs-Coup.

Erste Weltmeisterin von Barcelona wurde die Amerikanerin Haley Anderson. Die Olympia-Zweite über zehn Kilometer gewann in 56:34,2 Minuten vor den beiden Brasilianerinnen Poliana Okimoto Cintra und Ana Marcela Cunha. Die 17 Jahre alte Nachwuchshoffnung Finnia Wunram wurde wegen eines Wendefehlers an einer Boje disqualifiziert. Im folgenden Männer-Rennen hoffte Rekord-Weltmeister Thomas Lurz auf seinen achten WM-Titel in Serie über die fünf Kilometer.

Die Qualität des etwa 24 Grad warmen Wassers im Hafenbecken war zumindest etwas besser als bei den Trainingseinheiten. "Es war immer noch ein Ölfilm auf der Strecke. Ich gehe immer noch davon aus, dass gesundheitlich alles okay ist", sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

Härle lieferte sich im Kampf um Bronze ein enges Rennen mit einem halben Dutzend Konkurrentinnen. "Es ist ein bisschen ärgerlich, dass ich in einen Strudel reingekommen bin", erklärte die WM-16. von 2011. "Das ist echt ein Geknüppel, ein wahnsinniges Geprügel. Wenn jemand neben dir ist, kriegst du eine drüber." Im Team-Rennen mit zwei Männern soll nun Zählbares her. "Ich will die Medaille, jetzt erst recht, Scheiße", sagte sie grinsend und fügte hinzu: "Ich mach die Jungs jetzt noch ein bisschen heiß."

Bundestrainer Lurz bewertete das Frauen-Rennen "mit einem lachenden und weinenden Auge. Der fünfte Platz von Isabelle ist wirklich top. Unser Ziel war eine einstellige Platzierung. Das lässt mich hoffen für den Team-Wettbewerb." Dass die deutsche Meisterin Wunram an einer Boje vorbei schwamm und disqualifiziert wurde, beurteilte der Bruder von Thomas Lurz nachsichtig: "Das kann passieren, darf nicht passieren, ist jetzt passiert. Kopf hoch, es geht weiter. Ich bin überzeugt, dass sie noch mehrere Top-Events schwimmen wird."

Die 17-Jährige vom SC Magdeburg erklärte: "Ich bin mit der rechten Schulter vorbeigeschwommen, sollte aber eigentlich mit der linken. Ich habe die Boje einfach nicht gesehen. Das war Aufregung, das ist in dem Moment einfach zu viel gewesen." Die deutsche Meisterin hat über 25 Kilometer am nächsten Wochenende eine weitere Chance.

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