Istanbul/Kairo (dpa) - Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und ihren Gegnern haben in Ägypten erneut mindestens drei Menschen das Leben gekostet.

Die tödlichen Krawalle ereigneten sich laut lokalen Medienberichten am Freitagabend in der Stadt Al-Mansura im Nildelta, wo Augenzeugen zufolge Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi mit Schusswaffen und Messern aufeinander losgingen. Die Muslimbruderschaft - aus der Mursi stammt - erklärte, dass vier Frauen getötet worden seien, Medien meldeten drei Tote. In der Hauptstadt Kairo blieb es hingegen überwiegend ruhig.

Die Muslimbruderschaft erhob am Samstag schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte. Das Führungsmitglied der Bewegung, Essam al-Arian, erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Es ist eine Schande für die Verschwörer des blutigen Militärputsches, ihre Unterstützer und alle, die über die Menschenrechtsverletzungen schweigen, dass Frauen in Al-Mansura vor den Augen von Armee und Polizei mit Messern und scharfer Munition getötet werden."

Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es auch in Kena in Oberägypten. Dort setzte die Polizei laut "Al Ahram" Tränengas ein, um die verfeindeten Parteien auseinanderzuhalten.

Mursi war am 3. Juli nach tagelangen Massenprotesten vom Militär entmachtet worden. Er wird an einem unbekannten Ort festgehalten. Auch zahlreiche führende Muslimbrüder wurden verhaftet. Anhänger Mursis demonstrieren seitdem für die Wiedereinsetzung ihres Präsidenten.

Zur schlimmsten Eskalation kam es dabei am 8. Juli vor einer Kaserne der Republikanischen Garde. Dort wurden 51 Menschen getötet, als Sicherheitskräfte begannen, scharf zu schießen. Das Militär gab später an, Bewaffnete hätten den Offiziersclub stürmen wollen. Die Muslimbruderschaft sprach von Angriffen auf friedliche Demonstranten beim Morgengebet.

Am Freitag waren erneut Zehntausende Anhänger und Gegner Mursis auf die Straßen gegangen. Die größten Kundgebungen gab es in Kairo. Demonstranten beider Lager harrten dort bis in die frühen Morgenstunden aus. Die Islamisten haben vor der Raba-al-Adawija-Moschee im Osten Kairos ein Protest-Camp eingerichtet, wo sie bleiben wollen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Der zentrale Tahrir-Platz, wo die Jugendbewegung und Gegner der Islamisten für eine rasche Demokratisierung des arabischen Landes eintraten, leerte sich nach Sonnenaufgang. Nach dem Sturz Mursis hat das Militär eine zivile Übergangsregierung eingesetzt, die das Land binnen sechs Monaten zu Neuwahlen führen soll.

Neue Gewalt gab es derweil auch im Norden der Sinai-Halbinsel. In der Region der Stadt Al-Arisch schlugen nach Angaben aus Sicherheitskreisen drei Raketen ein - zwei Menschen wurden getötet. Im Sinai tummeln sich seit dem Arabischen Frühling islamistische Milizen und Schmugglerbanden. Immer wieder gibt es Angriffe auf Sicherheitskräfte. Seit dem Sturz Mursis sind dabei den Angaben nach 13 Menschen getötet worden, darunter auch Soldaten und Polizisten.