Ramallah/Tel Aviv (dpa) - Israel und Palästinenser wollen nach Worten von US-Außenminister Kerry wieder miteinander reden. Allerdings bleiben viele Fragen offen. Vor allem, worüber geredet werden soll.

Bereits kurz nach der Bekanntgabe zeichnete sich ab, dass sich beide Seiten zumindest öffentlich weiter uneins sind, auf welcher Grundlage dann später die eigentlichen Friedensverhandlungen geführt werden sollen. Unterhändler beider Seiten sollen sich kommende Woche in Washington zu einer Art Vorverhandlung treffen. Kerry nannte zum Abschluss seiner sechsten Vermittlungsreise in den Nahen Osten in der jordanischen Hauptstadt Amman keine weiteren Details.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu begrüßte die Einigung ausdrücklich. Sie liege im "strategischen Interesse Israels", zitierte ihn die Zeitung "Haaretz" am Samstagabend. Die Verhandlungen seien nicht nur wichtig, um den Konflikt mit den Palästinensern zu beenden, sondern auch angesichts der nuklearen Bedrohung durch den Iran und des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien. Zugleich dankte er Kerry.

"Ich will mehrere Dinge verhindern, und zwar einen binationalen Staat zwischen dem Jordanfluss und dem Mittelmeer genauso wie einen weiteren vom Iran unterstützten Terroristen-Staat an Israels Grenzen", sagte Netanjahu. Ein binationaler Staat gefährde die jüdische Zukunft Israels, ein Terrorstaat dessen Sicherheit. Details der Vereinbarung mit den Palästinensern über die Voraussetzungen zur Aufnahme von Verhandlungen nannte er ebenso wenig wie die Palästinenserführung um Präsident Mahmud Abbas.

Unklar war deshalb, ob beide Seiten Konzessionen gemacht hatten und worüber die Unterhändler beider Seiten kommende Woche in Washington sprechen wollen. Das israelische Kabinettsmitglied Juval Steinitz hatte ausgeschlossen, dass Israel die von Abbas aufgestellten Bedingungen eines völligen Siedlungsstopps und der Anerkennung der Grenzen von 1967 akzeptieren könnte. Allerdings sollten palästinensische Häftlinge freigelassen werden. Das führende PLO-Mitglied Wessel Abu Jussef, sagte hingegen, nur unter diesen Bedingungen seien Verhandlungen möglich.

Einem unbestätigten Bericht des "Wall Street Journal" zufolge sagte ein ungenannter palästinensischer Funktionär, Kerry habe Abbas mitgeteilt, Netanjahu habe ihm einen "stillschweigenden Siedlungsstopp" für die Zeit der Verhandlungen zugesagt. Zudem habe Kerry dem Palästinenserpräsidenten "persönlich garantiert", dass die Verhandlungen auf Grundlage der Grenzen von 1967 geführt würden.

Kerry mahnte, zu viel Öffentlichkeit könnte den Bemühungen schaden. "Das Übereinkommen muss noch formell ausgearbeitet werden, und deshalb werde ich auf keinen Fall hier jetzt über Einzelheiten sprechen", sagte er noch in Amman.

Die weltweiten Reaktionen waren positiv. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte die Vermittlung von US-Außenminister John Kerry. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich vorsichtig optimistisch: "Das kann der erste Schritt zu einem Durchbruch nach dem Stillstand im Nahost-Friedensprozess in den letzten Jahren sein."

Times of Israel 1

Times of Israel 2

Haaretz 1

Haaretz 2

Jerusalem Post

Wall Street Journal