Lausanne (SID) - Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat in der "Causa Erfurt" einen deutschen Radsportler freigesprochen. Die Richter klärten, dass es sich in diesem Fall bei einer UV-Behandlung von Blut mit anschließender Reinjektion durch den Mediziner Andreas Franke nicht um eine verbotene Methode gemäß der zum damaligen Zeitpunkt geltenden WADA-Verbotsliste gehandelt habe.

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) hatte das Verfahren im November 2012 vor den CAS gebracht, nachdem der Freispruch des Radsportlers durch das Deutsche Sportschiedsgericht (DIS) unter anderem durch die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA viel Kritik hervorgerufen hatte. Im Deutschlandfunk hatte sich WADA-Präsident John Fahey gegen das DIS-Urteil ausgesprochen und angekündigt, man werde den Gang vor den CAS prüfen. Auch WADA-Generaldirektor David Howman und der Chef der medizinischen Kommission von WADA und Internationalem Olympischen Komitee (IOC), Arne Ljungqvist, betonten ihre konträre Position zum Entscheid des DIS. Doch nachdem der CAS das Urteil bestätigt hat, erwägt die NADA, von ihm weitere Verfahren in der "Causa Erfurt" klären zu lassen.

Für den Zeitraum ab dem 1. Januar 2011 war die Rechtslage bereits im Jahr 2012 geklärt. Doch Behandlungen ab 2011 sind durch die damals gültige Regel M 2.3 der Verbotsliste erfasst. Dafür hatte die NADA zwei Fälle vor das DIS gebracht. In beiden Fällen wurde die UV-Behandlung als verbotene Methode klassifiziert, ein Verschulden der Athleten jedoch nicht gesehen. In der aktuellen Verbotsliste 2013 ist die Methode nun unter M 1 erfasst.

Die NADA hatte den Fall des Radsportlers vor den CAS gebracht, um die Sach- und Rechtslage der Behandlung für den Zeitraum vor 2011 grundsätzlich klären zu lassen. Der CAS entschied, dass die in Artikel M 1.1 der WADA-Verbotsliste genannten Formen des Blutdopings nur insoweit verboten sind, als sie zur Erhöhung des Sauerstofftransfers geeignet sind. Dies sei in diesem Fall nicht erwiesen. Deshalb sei der objektive Tatbestand einer verbotenen Methode nicht erfüllt. Das damalige Regelwerk der WADA verbot demnach nicht die Entnahme von Blut, UV-Behandlung und anschließende Rückführung. Die CAS-Richter hielten zudem fest, dass der Athlet weder fahrlässig noch vorsätzlich gehandelt habe.

In den Fällen eines anderen Radsportlers, Jakob Steigmiller, und der Eisschnellläuferin Judith Hesse, die in den Zeitraum nach dem 1. Januar 2011 fallen, hatte die WADA die DIS-Entscheidungen akzeptiert, die Verfahren einzustellen. In beiden Fällen hatte zwar ein objektiver Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen vorgelegen, allerdings sei kein Verschulden des Athleten zu erkennen gewesen.