Islamabad (dpa) - Unmittelbar vor der Präsidentenwahl in Pakistan haben schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer ein Gefängnis im Nordwesten des Landes gestürmt und fast 250 Häftlinge befreit.

Unter den Flüchtigen seien mindestens 15 hochrangige Angehörige der pakistanischen Taliban (TTP) und der schiitenfeindlichen Terrorgruppe Lashkar-e-Jhangvi, sagte der örtliche Polizeichef Muhammad Nawaz am Dienstag.

Aus Geheimdienstkreisen hieß es, 25 "gefährlichen" Extremisten sei die Flucht gelungen. Nach Polizeiangaben wurden 13 Menschen bei den Gefechten getötet. Ein TTP-Sprecher sagte, außerdem hätten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Nawaz sagte, unter den Toten seien vier schiitische Häftlinge, die von den sunnitischen Angreifern gezielt erschossen worden seien. 17 Menschen seien bei den Kämpfen verwundet worden. Die Polizei habe acht der 248 Ausbrecher wieder gefasst. Der Verwaltungschef des Distrikts Dera Ismail Khan, Mushtaq Jadoon, sagte, mehr als 100 als Polizisten getarnte Aufständische hätten das Gefängnis kurz vor Mitternacht angegriffen. Sie hätten Handgranaten geworfen und dann das Feuer eröffnet. Die Gefechte hätten die ganze Nacht angedauert.

In einer Mitteilung von TTP-Sprecher Shahidullah Shahid hieß es, unter den mehr als hundert Angreifern seien acht Selbstmordattentäter gewesen. Zwei von ihnen hätten sich zu Beginn des Angriffs in die Luft gesprengt. Nach Shahids Angaben wurden mehr als 300 Extremisten befreit. Im vergangenen Jahr hatten TTP-Kämpfer ein Gefängnis im nahe gelegenen Distrikt Bannu gestürmt und rund 400 Häftlinge befreit.

Der Generalinspekteur für Gefängnisse in der Provinz Khyper-Pakthunkhwa, Khalid Abbas, sagte, das Gefängnis in Dera Ismail Khan sei eines der sichersten in der Provinz. Es sei aber für Kriminelle ausgelegt, nicht für Terroristen. Nach offiziellen Angaben waren unter den mehr als 5000 Insassen rund 250 Extremisten.

Der Angriff überschattete die Präsidentenwahl in Pakistan. Rund 1000 Abgeordnete der Parlamente in Islamabad und den vier Provinzen gaben am Dienstag ihre Stimme ab, um ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Die Muslim-Liga (PML-N) von Premierminister Nawaz Sharif hat den Geschäftsmann Mamnoon Hussain (73) aus Karachi aufgestellt, dessen Wahl als sicher galt. Die größte Oppositionspartei - die Volkspartei PPP von Amtsinhaber Asif Ali Zardari - boykottierte die Abstimmung. Zardaris Zeit in dem weitgehend zeremoniellen Amt endet am 8. September. Das Wahlergebnis wird am Abend erwartet.

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