Washington/Tel Aviv (dpa) - US-Präsident Barack Obama hat sich angesichts weltweit großer Skepsis persönlich in den Nahost-Friedensprozess eingeschaltet.

Obama empfing nach Angaben des Weißen Hauses am Dienstag die Unterhändler Israels und der Palästinenser. Diese hatten am Vortag erstmals seit drei Jahren wieder gemeinsam an einem Verhandlungstisch gesessen. Zunächst geht es aber lediglich um Vorgespräche, in denen ein Fahrplan für die eigentlichen Friedensverhandlungen aufgestellt werden soll.

"Es war ein konstruktives und produktives Treffen der beiden Parteien", sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums nach dem rund 90-minütigen Essen. Einzelheiten wurden nicht bekannt, die Parteien hatten sich zuvor auf äußerste Diskretion verständigt. Nach einem weiteren Treffen am Dienstag wollte Kerry vor die Presse treten.

Als Ergebnis der Friedensverhandlungen soll ein unabhängiger und demokratischer Staat Palästina entstehen - die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung. Ein rascher Durchbruch wird nicht erwartet. Selbst Obama äußerte sich nur verhalten optimistisch. "Das ist ein vielversprechender Schritt voran, doch es stehen weiterhin harte Arbeit und harte Entscheidungen bevor", erklärte er.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte die Wiederaufnahme der Gespräche. "Es ist eine sehr gute Nachricht, dass endlich wieder Verhandlungen in Gang kommen." Beide Seiten sollten "alles dafür tun, dass die Verhandlungen zügig und konstruktiv verlaufen". Ausdrücklich plädierte er für die Zwei-Staaten-Lösung.

Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, meinte: "Der gesamte Nahe Osten befindet sich im Aufruhr. In einer Zeit, in der in dieser Region nichts sicher ist, ist die Tatsache, dass mit Israel und den Palästinensern zwei Konfliktparteien wieder an einem Tisch sitzen, ein Zeichen der Hoffnung".

Die israelische Verhandlungsführerin, Justizministerin Zipi Livni, räumte ein, in ihrer Regierung gebe es "Minister, die kein Friedensabkommen erreichen wollen". Diese lehnten eine Zwei-Staaten-Lösung ab und hofften auf ein Scheitern der Gespräche.

Angesichts der großen Skepsis berichtete die "New York Times" über die Möglichkeit, dass bei den Gesprächen letztlich lediglich eine Zwischenlösung angestrebt werden könnte. Israelische, palästinensische sowie US-Regierungsbeamte würden "darüber spekulieren, dass weniger als ein umfassendes Abkommen erreichbar sein könnte". Kerry und sein Team bemühten sich aber, das dies nicht an die Öffentlichkeit dringe.

Die Zeitung zitierte Experten, die meinten, dass alle Beteiligten sich von dem Wunsch nach einer vollständigen Friedenslösung verabschieden sollten. Wer daran festhalte, laufe Gefahr, am Ende gar nichts zu erreichen.

Nach dieser Theorie würden in einem Interimsabkommen nur die Grenzen zwischen Israel und einem Palästinenserstaat sowie Sicherheitsgarantien für Israel festgelegt. Die Lösung besonders strittiger Fragen wie die Zukunft Jerusalems sowie das Schicksal von 5,3 Millionen registrierten palästinensischen Flüchtlingen könnte auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden. Die Palästinenser hatten ein weiteres Zwischenabkommen bislang immer abgelehnt.

Die israelische Delegation wird neben Livni von Izchak Molcho angeführt, der Gesandte des von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Für die Palästinenser führen Chefunterhändler Saeb Erekat und sein Vize Mohammed Schtajeh die Gespräche.

Die israelische Zeitung "Maariv" berichtete, die Unterhändler würden einen Monat lang über einen Fahrplan und einen Verhandlungsort reden. Die eigentlichen Friedensgespräche könnten dann beispielsweise in der jordanischen Hauptstadt Amman geführt werden. Beide Seiten müssten sich auch darauf verständigen, welche Rolle die US-Vermittler spielen.

Aus dem Gazastreifen, wo die radikal-islamische Hamas regiert, schlug am Dienstag erneut eine Rakete in offenem Gelände in Israel ein. Wer die Rakete abfeuerte, war zunächst unklar. Die Hamas ist bei den Gesprächen in Washington nicht dabei.

New York Times

Erklärung Netanjahus zur Freilassung

Times of Israel

Haaretz

Jediot Achronot I