Rom (dpa) - Dem früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi droht heute die erste rechtskräftige Verurteilung in dritter Instanz. Der Mediaset-Prozess um Steuerhinterziehung beschäftigt dann Italiens höchstes Gericht, den Kassationsgerichtshof in Rom.

Er könnte das Urteil von vier Jahren Haft und fünf Monaten Verbot für öffentliche Ämter gegen Berlusconi aus den ersten beiden Instanzen bestätigen, den Politiker endgültig freisprechen oder den Fall an ein Berufungsgericht zurückverweisen.

Möglich ist aber auch, dass Berlusconis Anwälte eine Verschiebung beantragen. Bis zuletzt ließen sich der 76-jährige Medienzar und seine Anwälte nicht in die Karten schauen, ob sie das tun weden. Dann könnte ein Urteil erst im September fallen.

Für Berlusconi wird die Luft immer dünner. In mehr als einem Dutzend Prozessen musste er sich schon verantworten, wurde mehrfach verurteilt - rechtskräftig war bislang jedoch noch kein Schuldspruch. Ordnet das Gericht nun das Verbot öffentlicher Ämter für ihn an, könnte er aber seinen Sitz im Senat verlieren.

Die Folgen eines solchen Szenarios für die noch junge italienische Regierung sind nicht absehbar. Ministerpräsident Enrico Letta betonte, er habe keine Angst vor einem Urteil. "Ich bin überzeugt, dass die Situation stabiler ist, als sie dargestellt wird", sagte der Regierungschef. Berlusconi ist Leitfigur der Partei Volk der Freiheit (PdL), dem wichtigsten Koalitionspartner Lettas.

Falken in Berlusconis Lager drohen im Falle einer Verurteilung mit Maßnahmen. Ein enger Vertrauter sagte, der Verbleib seiner dann kopflosen Partei PdL in der Regierung sei nur schwer vorstellbar. Berlusconi selbst versprach mehrfach, die Regierung nicht platzen zu lassen. "Ich werde Letta nicht fallen lassen, aber es wird seine eigene Partei sein, die das tut", sagte er.

Selbst bei einer Verurteilung muss Berlusconi wegen seines hohen Alters aber wohl nicht ins Gefängnis. Sozialstunden will der Milliardär stattdessen aber auf keinen Fall ableisten. "Wenn sie mich verurteilen (...), gehe ich ins Gefängnis", sagte er der Zeitung "Libero". Der 76-Jährige ist ohnehin von einem Freispruch überzeugt: "Wenn es keine Vorurteile gibt, wenn es keinen Druck gibt, kann das Kassationsgericht nicht anders, als meine Unschuld anzuerkennen."