Berlin (SID) - Nach den neuen Enthüllungen über eine staatlich finanzierte Dopingforschung in der früheren BRD hat Martin Gerster, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) scharf attackiert. "Es scheint Strategie des Bundesinnenministers zu sein, den Abgeordneten Forschungsergebnisse vorenthalten zu wollen", sagte Gerster mit Blick auf die umstritten Studie zur Aufarbeitung des Dopings in Deutschland: "Ich fühle mich hinters Licht geführt."

Die Ergebnisse der 2008 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) initiierten 550.000 Euro teuren Studie "Doping in Deutschland" sind immer noch nicht veröffentlicht. Das dem BMI unterstellte Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) machte dafür datenschutzrechtliche Probleme verantwortlich. Die beteiligten Wissenschaftler widersprechen dieser Aussage.

"Die Veröffentlichung der Inhalte aus dem Forschungsprojekt liegt ausschließlich in der Verantwortung der Forschungsnehmer, die als Urheber aufgefordert sind, ihre Ergebnisse zu publizieren", teilte das BMI allerdings am Dienstag erneut mit: "Der in der Presseberichterstattung vermittelte Eindruck, das BISp wolle durch die Nichtveröffentlichung Informationen zurückhalten, ist daher nicht zutreffend. Diese Vorgehensweise entspricht vielmehr den mit den Forschungsnehmern im Vorfeld getroffenen Vereinbarungen zur Veröffentlichungspraxis."

Am Dienstag hatten die Märkischen Oderzeitung und die Main-Post ein Dokument veröffentlicht, wonach es Anfang der 1970er Jahre auch in Westdeutschland mit Steuermitteln finanzierte Dopingforschung gegeben hat. Dabei war auch das BISp beteiligt, das Freiburger Forschern 1971 mindestens 139.200 D-Mark für entsprechende Arbeiten zur Verfügung gestellt hat.

Das Dokument belegt die Ergebnisse der an der Dopingstudie beteiligten Wissenschaftler um Giselher Spitzer. Die Forscher der Berliner Humboldt-Universität hatten bereits 2011 von "systemischen Doping" in Westdeutschland gesprochen.