Rom (dpa) - Gespanntes Warten auf den höchsten Richterspruch: Im Steuerbetrugsprozess gegen den früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi soll am späten Nachmittag das Urteil ergehen.

Der 76-jährige Politiker, der zuletzt mit Sex-Schlagzeilen in einem anderen Verfahren Furore machte, könnte vom Kassationsgericht erstmals in seinen vielen Prozessen rechtskräftig verurteilt werden.

Das höchste Gericht des Landes musste nach Tagen der Verhandlung entscheiden, ob es den Schuldspruch der vorherigen Instanzen in dem "Mediaset"-Prozess bestätigt, aufhebt oder Berlusconi freispricht. Berlusconi sei gelassen und hoffe auf einen positiven Richterspruch, hieß es in Rom. Er war im Mai in zweiter Instanz zu vier Jahren Haft und einem fünfjährigen Verbot öffentlicher Ämter verurteilt worden.

Am Mittwoch sprachen vor dem Gericht in Rom noch die Verteidiger Berlusconis. Sie forderten einen Freispruch auf ganzer Linie, weil ihr Mandant sich strafrechtlich nichts habe zuschulden kommen lassen. Staatsanwalt Antonello Mura hatte zuvor verlangt, die Haftstrafe für Berlusconi zu bestätigen, das Verbot öffentlicher Ämter für den Mitte-Rechts-Politiker aber auf drei Jahre zu verringern. Berlusconi sei der "planende Kopf" in einem systematischen Steuerbetrug gewesen.

Ins Gefängnis muss Berlusconi bei einer rechtskräftigen Verurteilung nicht. Drei der vier Jahre, zu denen er in zweiter Instanz verurteilt worden ist, würden ihm aus Altersgründen nach einem Gesetz von 2006 erlassen. Den Rest könnte er in Sozialstunden ableisten oder auch im Hausarrest in einer seiner Villen absitzen.

Dem Cavaliere droht aber weiteres Justizunheil. Im "Ruby"-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch wurde er in erster Instanz schuldig gesprochen, ein Verfahren wegen Bestechung eines Senators könnte in diesem Herbst gegen ihn eröffnet werden.

Berlusconi beteuert, zur großen Regierungskoalition mit der sozialdemokratischen PD (Demokratische Partei) zu stehen. Er will seiner PdL-Partei (Volk der Freiheit) nach der Sommerpause neue Impulse geben. Ministerpräsident Enrico Letta, erst seit wenigen Monaten im Amt, hat mehrfach betont, er sehe keine Auswirkungen für seine Regierung, sollte Berlusconi verurteilt werden. Bei einem Verbot politischer Ämter durch den Kassationsgerichtshof muss der Senat darüber abstimmen, ob er dies annimmt und Berlusconi seinen Sitz im Parlament verliert. Diese Prüfung könnte sich hinziehen.