Washington (dpa) - Erstmals seit den Enthüllungen über das massive Spähprogramm des US-Geheimdienstes NSA wird Präsident Barack Obama den Medien ausführlich Rede und Antwort stehen.

Mehr als drei Monate nach seiner letzten Pressekonferenz stellt sich Obama am Freitagabend (gegen 21.00 Uhr MESZ) den Journalisten im Weißen Haus in Washington. Es wird erwartet, dass er sich zum ersten Mal persönlich zu seiner Entscheidung äußert, das Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin abzusagen.

Ein weiteres Thema dürfte die gegenwärtige Terrorbedrohung sein, deretwegen US-Vertretungen in mehreren Regionen der Welt vorübergehend geschlossen wurden. Auch die Lage in Ägypten, die ökonomische Entwicklung der USA und Reformvorhaben etwa zur Einwanderungspolitik dürften großen Raum einnehmen.

Mit Spannung wurden Obamas Äußerungen zu den angeschlagenen russisch-amerikanischen Beziehungen erwartet. Ein Treffen der Außen- und Verteidigungsminister beider Länder am Freitag in Washington wurde als Gradmesser gesehen, ob die USA und Russland bei internationalen Krisenherden sowie bei Terrorbekämpfung und Abrüstung überhaupt noch gemeinsam handlungsfähig sind. Obama dürfte Hinweise geben, wie es um das Verhältnis mit Moskau tatsächlich steht.

Bei den Gesprächen der Außen- und Verteidigungsminister standen Themen wie Syrien und Afghanistan, der Atomstreit mit Nordkorea und dem Iran sowie Fragen der Raketenabwehr, der Abrüstung und der Menschenrechte im Vordergrund.

US-Außenminister John Kerry werde von seinem Kollegen Sergej Lawrow erneut die Auslieferung des Spionage-Enthüller Edward Snowdens fordern, hieß es aus dem US-Außenamt. Moskau hat dem früheren US-Geheimdienstmitarbeiter vorläufiges Asyl gewährt und damit Washington verärgert.

Gut ein halbes Jahr nach Beginn seiner zweiten Amtszeit verabschiedet sich Obama an diesem Samstag in einen achttägigen Urlaub auf einer Insel im US-Staat Massachusetts. Die Korrespondenten in Washington kritisierten jüngst, dass er sich so selten persönlich ihren Fragen stelle. Sie bemängelten, dass er stattdessen Anfang der Woche in einer Unterhaltungsshow im Fernsehen aufgetreten war, um mehr oder minder flapsig das aktuelle politische Geschehen zu kommentieren.