Mainz/Berlin (dpa) - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat das Personalchaos am Mainzer Hauptbahnhof zur Chefsache erklärt. Er telefonierte am Freitag mit Bahnchef Rüdiger Grube, um über die massiven Zugausfälle zu beraten.

Das Eisenbahn-Bundesamt prüft derweil einen möglichen Verstoß der Bahn-Tochter DB Netz AG gegen die Betriebspflicht. Mainz ist seit einer Woche abends und nachts weitestgehend vom Fernverkehr abgekoppelt, da knapp die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter im Stellwerk krank oder im Urlaub ist. Nun wurde auch noch bekannt, dass es von Montag an auch tagsüber zu enormen Einschränkungen kommen wird.

Das Eisenbahn-Bundesamt leitete am Freitag ein Verfahren ein, um den möglicher Verstoß gegen die Betriebspflicht zu prüfen. Man habe sich vor Ort ein Bild von der Situation im Stellwerk Mainz gemacht, sagte Sprecher Moritz Huckebrink am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. "Die Behörde erwartet nun eine Stellungnahme der Bahn dazu, mit welchen Maßnahmen sie dafür sorgen wird, dass der sichere Betrieb in Mainz unverzüglich wieder aufgenommen werden kann."

In einem Brief an die Deutsche Bahn teilte Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald dem Bahnvorstand für Infrastruktur, Volker Kefer, mit, dass die aktuelle Situation "nicht akzeptabel" sei. Er bat die Bahn zu prüfen, ob Mitarbeiter aus dem Urlaub geholt oder von anderen Standorten aus in Mainz eingesetzt werden könnten. Dies hatte die Bahn am Donnerstag verneint mit der Begründung, das Stellwerk in Mainz sei sehr komplex.

Die Bahn kann in Mainz ab Montag im Regionalverkehr nur noch einen Stundentakt statt Halbstundentakt anbieten. Im Fernverkehr halten nur noch wenige in Mainz. Das gilt zunächst für Tag und Nacht - bisher war das Problem vor allem der Zugverkehr nachts.

Der Zweckverband für das südliche Rheinland-Pfalz will der Bahn wegen der Zugausfälle das Geld kürzen. Für Züge, die nicht fahren könnten, werde keine Streckenmaut und keine Stationsgebühr bezahlt, sagte ein Sprecher des Schienenpersonennahverkehrs Rheinland-Pfalz Süd in Kaiserslautern. Ob es Regressforderungen gebe, sei offen. Die Bahn müsse die Kunden entschädigen, vor allem Berufspendler.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisierte derweil, dass der Personalmangel lange ignoriert wurde. Die Arbeitnehmervertreter hätten seit 2011 auf die Unterbesetzung in den Stellwerken hingewiesen, sagte der EVG-Chef Alexander Kirchner der Zeitung "Die Welt" (Freitag). Der Gesamtbetriebsrat habe das Thema in den vergangenen 28 Monaten bei jedem Treffen mit dem Management auf die Tagesordnung gesetzt. Passiert sei nichts.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kritisierte die Entschädigungsregelungen der Bahn. "Den Pendlern ist damit nicht geholfen", sagte Reiserechtsexperte Christian Gollner. Nach den bestehenden Regelungen müssten Pendler vorübergehende Einschränkungen und Ersatzhaltestellen hinnehmen. "Entschädigungen gibt es nur bei Verspätung." Gerade Pendler nutzten Zeitkarten. Um Entschädigungen zu erhalten, müssten mindestens drei Züge 60 Minuten zu spät kommen.

Zugverspätungen wie am Mainzer Hauptbahnhof richten einer Umfrage zufolge massive Schäden bei deutschen Unternehmen an. "Ausgefallene oder verspätete Flüge und Züge sind für Geschäftsreisende nicht nur ärgerlich und verursachen ihnen Stress, sie kosten die Unternehmen auch Geld und gefährden Umsatzziele", sagte der Präsident des deutschen Geschäftsreiseverbands (VDR), Dirk Gerdom, in Frankfurt. Bei einer Umfrage unter Mitgliedsunternehmen hätten 98 Prozent angegeben, in diesem Jahr schon von Beeinträchtigungen bei der Bahn und bei Airlines betroffen gewesen zu sein. 14 Prozent gaben an, dass wichtige Vertragsabschlüsse nicht zustande gekommen seien.

Information der Zentrale zu Entschädigungen

Bahn-Mitteilung

Mitteilung Verband Reisemanagement