Halle (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat die Leistung der Ostdeutschen zur deutschen Einheit gewürdigt. Sie hätten sich seit 1989 nie unterkriegen lassen, selbst als eigene Biografien weggebrochen seien, sagte er am Samstag bei einer SPD-Konferenz in Halle.

"Zupacken, zusammenhalten, Solidarität, Probleme gemeinsam meistern, sich nicht entmutigen lassen" - das zeichne die Menschen aus. Dies sei Westdeutschen bis heute nicht immer bewusst, sagte Steinbrück.

Der Aufbau im Osten etwa von Städten sei aber nur durch eine "gesamtdeutsche Kraftanstrengung" ermöglicht worden. "Ohne westdeutsche Transferleistungen wäre Ostdeutschland in vieler Hinsicht nicht so schnell auf die Beine gekommen".

Zugleich sprach sich Steinbrück für weitere Aufbauhilfen zur Angleichung der Lebensverhältnisse aus. Dabei komme es nicht auf die Himmelsrichtung an. Eines der wesentlichen Ziele bei der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Ost und West sei für die SPD die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro brutto.

Steinbrück wies die Kritik an seinen Äußerungen zur Europapolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Sein Versuch, diese Politik mit ihrer DDR-Sozialisation zu erklären bedeutete keineswegs, alle Ostdeutschen in einen Topf zu werfen. Das bedeutete schon gar nicht, dass alle in Ostdeutschland Geborenen eine Distanz zu Europa hätten, sagte Steinbrück am Samstag auf einer SPD-Konferenz in Halle. "Ich bitte mich auch in dem Sinne nicht misszuverstehen."

Zugleich bekräftigte er seine kritisierte Äußerung. Merkel habe seit Ausbruch der Krise in der europäischen Währungsunion "nie die leidenschaftliche Rede gehalten, die über die bloße Beschreibung Europas als Binnenmarkt, als Zentralbankensystem, als Währungsunion hinausgeht", sagte Steinbrück.

"Ich habe gesagt, ich kann ihr daraus keinen Vorwurf machen, weil sie es sich wie viele andere nicht aussuchen konnte, ob sie im westlichen oder östlichen Teil aufwächst und darüber auch ihre politische Sozialisation erfährt. Aber die Frage darf ich stellen, ohne dass mir Übles unterstellt wird, warum es an dieser Rede fehlt."

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