Moskau (dpa) - Die Party begann schon wenige Meter hinter der Ziellinie. Kurz nachdem Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Moskau auch das 200-Meter-Rennen gewonnen hatte, klatschte er seinen Freund Warren Weir ab und legte mit seinem Trainingspartner ein kleines Tänzchen auf die Bahn.

Doppel-Weltmeister Bolt in der Weltjahresbestzeit von 19,66 Sekunden vor Weir (19,79) und dem Amerikaner Curtis Mitchell (20,04) - so ein Ergebnis in einem WM-Finale hatten sich die beiden Kumpels aus Jamaika immer gewünscht. Die Rollenverteilung in der Trainingsgruppe bleibt allerdings unangetastet: Während der 23 Jahre alte Weir erst seine zweite internationale Medaille nach Bronze bei den Olympischen Spielen 2012 gewann, sammelt der Weltrekordhalter und sechsfache Olympiasieger Bolt weiterhin Titel wie am Fließband. In Moskau hatte er zuvor schon über 100 Meter triumphiert.

Über seine Lieblingsstrecke 200 Meter holte er den WM-Titel bereits zum dritten Mal in Serie - das schaffte vor ihm noch kein Sprinter. Seine Weltmeisterschaftsbilanz insgesamt weist jetzt sieben Gold- und zwei Silbermedaillen aus. Sollte Bolt am Sonntag mit Jamaikas Sprintstaffel auch noch das Rennen über 4 x 100 Meter gewinnen, würde er Carl Lewis (USA) bereits im Alter von nur 26 Jahren als erfolgreichsten Athleten der WM-Geschichte ablösen.

Das ewige Sprintduell zwischen Jamaika und den USA hat die Karibikinsel dank Bolt bei dieser WM ebenfalls schon jetzt für sich entschieden. Alle Einzeltitel über 100 und 200 Meter gingen an ihn und Shelly-Ann Fraser-Pryce. Gerade bei den Männern kann sich niemand ernsthaft vorstellen, dass die Amerikaner Bolt und Co. wenigstens in der Staffel noch einmal gefährden können.

Bolts Rennen in Moskau sind umso bemerkenswerter, weil er vor zwei Wochen noch sichtlich angespannt und auch etwas beleidigt nach Russland gereist war. Über dieser WM liegt der Schatten eines Dopingskandals, in dem zwar nur seine Rivalen Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) überführt wurden, der aber auch ein immer größeres Misstrauen gegenüber den Leistungen von Bolt weckte. Auch das 200-Meter-Finale fand so ohne seine stärksten Rivalen statt: Gay ist gedopt, der Olympia-Zweite Yohan Blake verletzt.

Das alles schien den Superstar aber nicht zu stören. Schon vor dem Rennen klatschte er jeden Rivalen einzeln ab. Der Lauf selbst war bereits vor dem Einbiegen auf die Zielgerade entschieden. Nur sein eigener 200-Meter-Weltrekord, mit dem er zumindest geliebäugelt hatte, blieb unangetastet. Er wolle gerne sehen, "ob es wirklich möglich ist, unter 19 Sekunden zu laufen", hatte Bolt vorher gesagt. 19,66 Sekunden waren aber immer noch die schnellste Zeit dieses Jahres und die zehntschnellste seiner Karriere.