München (dpa) - Joachim Löw erlebte das neue Verletzungspech seines «Leaders» Bastian Schweinsteiger aus nächster Nähe mit. Vor den Augen des Bundestrainer humpelte sein Vize-Kapitän beim 1:1 des FC Bayern in Freiburg vom Spielfeld.

Der Mittelfeldchef hat eine Stauchung und Kapselzerrung am Sprunggelenk seines rechten Problemfußes erlitten, wie eine Untersuchung ergab. Deshalb ist die Teilnahme von Schweinsteiger an den zwei vorentscheidenden WM-Qualifikationsspielen der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich und die Färöer infrage gestellt. Zumal Schweinsteiger in Prag womöglich angeschlagen das Supercup-Finale gegen den FC Chelsea bestreiten könnte.

Am Dienstagabend hatte Löw auch noch eine schlechte Nachricht aus London erhalten. Der gerade in Form gekommene Lukas Podolski zog sich beim Einzug des FC Arsenal in die Champions-League-Gruppenphase eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel zu. «Podolski wird mindestens 21 Tage ausfallen», berichtete Arsenals Teammanager Arsène Wenger.

Nach dem am Rücken verletzten Dortmunder Ilkay Gündogan muss Löw damit auch Podolski fix von seiner Kaderliste für die Punktspiele am 6. September in München gegen Österreich sowie vier Tage später in Torshavn gegen die Färöer streichen. Fraglich ist auch Marcell Jansen. Der Abwehrspieler fällt wegen eines schmerzhaften Zehenbruchs womöglich auch für das Bundesligaspiel des Hamburger SV gegen Eintracht Braunschweig aus. Darüber hinaus musste Sami Khedira zuletzt bei Real Madrid wegen einer Knie-Prellung pausieren.

Auf die Rückkehr von Schweinsteiger setzt Löw für den Endspurt in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien große Stücke. Beim 3:3 im Testspiel vor zwei Wochen gegen Paraguay in Kaiserslautern hatte er auf den Mittelfeldspieler noch verzichtet, weil dieser nach einer im Juni durchgeführten Operation am rechten Fuß noch Fitness fehlte. Gerade gegen Österreich soll mit Schweinsteiger wieder mehr Stabilität in die löchrige Defensive kommen. «Er ist eine Leader-Figur», äußerte Löw über Schweinsteiger. Seit der EM 2012 hat dieser nur drei Länderspiele bestreiten können.

Ohne Gündogan und Schweinsteiger wäre der Platz neben Khedira auf der Doppel-Sechs vakant. Gegen Paraguay konnte sich der Leverkusener Lars Bender als Einwechselspieler für Gündogan empfehlen. Außerdem wird der Münchner Toni Kroos nach der Geburt seines Sohnes ins Aufgebot zurückkehren. Jungstar Mario Götze könnte am Donnerstag erstmals als Bayern-Spieler eingeladen werden. In Topform ist der Offensivspieler nach seiner langwierigen Verletzung aber noch nicht.

Löw hatte schon angekündigt, womöglich den auf der US-Reise im Sommer getesteten Offensivspielern Max Kruse (Gladbach) und Sidney Sam (Leverkusen) eine weitere Chance in der WM-Saison zu geben. Angeführt werden wird der deutsche Kader von Kapitän Philipp Lahm, der gegen Österreich vor seinem 100. Länderspiel steht.

Mit zwei Siegen könnte die DFB-Auswahl womöglich schon vor den letzten Spielen im Oktober gegen Irland und Schweden das WM-Ticket lösen. Danach will der DFB auch über eine Vertragsverlängerung mit Löw über 2014 hinaus sprechen. Laut «Sport-Bild» könnte ein neuer Kontrakt eine «Abfindungssumme» für den Fall beinhalten, dass sich der Verband und Löw im Falle einer WM-Enttäuschung trennen sollten.

Eine durchaus denkbare Variante ist das. «Wir haben großes Vertrauen zueinander», hatte Löw am Rande des Paraguay-Spiels über sein Verhältnis zu DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geäußert. Löw erklärte aber auch, dass es für ihn persönlich «kein Störfeuer» bedeuten würde, wenn er wie schon 2010 in Südafrika auch in sein zweites WM-Turnier mit einer ungeklärten Zukunft gehen würde.