Thessaloniki (dpa) - Horst Heldt atmete nach dem millionenschweren Zittersieg von Thessaloniki tief durch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Es war eine sehr intensive Partie, die wieder sehr viel Kraft gekostet hat", sagte der Manager von Schalke 04 nach dem 3:2 (1:0) bei PAOK Saloniki.

Nicht nur die Spieler litten Qualen. Erst Minuten nach dem Schlusspfiff löste sich auch bei Heldt die Anspannung: "Ich freue mich über das Erreichen der Champions League. Der Club hat es in der Vergangenheit noch nie geschafft, zweimal hintereinander die Gruppenphase der Königsklasse zu erreichen. Das macht uns stolz."

Heldt weiß, dass die kommenden Wochen trotzdem nicht leicht werden. "Wir müssen kleine Schritte tun und das Positive mitnehmen", befand er mit Blick auf das schwere Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag. Dann hat Schalke auch wieder die Unterstützung seiner Fans. Im Toumba-Stadion waren wegen der UEFA-Zuschauersperre gegen PAOK nur etwa 230 dabei. Die Anhänger sahen von ihrer Elf beim Geisterspiel zum Teil wieder Aktionen, die zum Gruseln waren. "Sicher war es kein berauschendes Spiel", gab Trainer Jens Keller zu. Doch der am Ende in Unterzahl herausgespielte Erfolg tat auch ihm gut.

Zwar habe er die Partie für seine Zukunft als Cheftrainer auf Schalke nicht als "Alles-oder-nichts-Spiel" empfunden. Gleichwohl war ihm die Erleichterung anzusehen. "Jetzt sind wir froh und sehr glücklich, dass wir das Ziel erreicht haben, für das wir im vergangenen halben Jahr hart gearbeitet und wahnsinnig gekämpft haben", sagte Keller. Der 42-Jährige weiß, dass weitere Erfolge unabdingbar sind. "Der Alltag in der Bundesliga ist sehr wichtig, aber begleitet von der Freude, dass wir die Gruppenphase der Champions League erreicht haben."

Nach bisher dürftigen Auftritten in Meisterschaft und DFB-Pokal könnte der Sieg in Griechenland ein Wendepunkt sein. "Ganz sicher", meinte Keller, "gibt das dem Team Auftrieb. Für das Selbstvertrauen war das Erfolgserlebnis enorm wichtig."

Eine "Achterbahnfahrt" nannte Julian Draxler den Auftritt bei seinem Ex-Coach Huub Stevens, der "unter dem Strich" zufrieden war, dass sein PAOK in der Europa League weitere internationale Erfahrung sammeln kann. "Schalke hat ja auch Qualität", analysierte Stevens, der sich als sehr fairer Verlierer präsentierte. Ihm war trotz seines Verweises auf die Tribüne kurz vor der Pause durch den niederländischen Landmann Björn Kuipers sogar zum Scherzen zumute: "Es ist nicht immer ein Vorteil, wenn der Schiedsrichter dieselbe Sprache spricht", meinte Stevens schmunzelnd.

Er hob hervor, dass seine Elf nach Toren von Stefanos Athanasiadis (53.) und Kostas Katsouranis (79.) bei einer Großchance von Miroslav Stoch kurz darauf sogar den Siegtreffer hätte erzielen können. "Oft sind es nur Kleinigkeiten, die in so einem Spiel entscheiden."

"Zauberfußball" habe man nach den zuletzt gezeigten Leistungen nicht erwarten können, befand Daxler, der wie Doppeltorschütze Adam Szalai (43./90.) dank seines eigenen Treffers (67.), der Vorlage zum 3:2 und des von Keller hochgelobten Defensiveinsatzes maßgeblich am Erfolg beteiligt war. "Der Druck war enorm. Ich bin überglücklich, dass wir es geschafft haben, auch wenn es unnötig spannend war. Wir müssen daran arbeiten, in den kommenden Wochen auch mal die Null zu halten", sagte er. Der Jung-Nationalspieler war froh, dass trotz Gelb-Rot für Jermaine Jones (64.) der Zittersieg eingefahren wurde.

Durch die nun sicheren Zusatzeinnahmen von mindestens 20 Millionen Euro hat Schalke mehr Spielraum, bis zum Transferende am 31. August noch Lücken zu stopfen. Der Hamburger Dennis Aogo ist als Verstärkung für die linke Seite angeblich bereits im Anflug, weitere Verpflichtungen sind nicht ausgeschlossen. "Wir sagen Bescheid, wenn es etwas zu vermelden gibt", versprach Heldt.