Jerusalem (dpa) - US-Außenminister John Kerry droht Syrien weiter mit einem Militärschlag, sollte es den von Russland und den USA vereinbarten Abrüstungsplan nicht umsetzen.

"Wir nehmen keine Option vom Tisch", betone Kerry am Sonntag nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Syrien müsse binnen einer Woche offenlegen, wo es seine Chemiewaffen verstecke. "Es darf nicht nur leere Worte geben", sagte er.

Gleichzeitig betonte Kerry, es gebe keine militärische Lösung für den Konflikt in Syrien. "Das Hauptziel ist es, eine diplomatische Lösung zu finden", sagte er. Es sei auch klar, dass es nicht ausreiche, nur die Chemiewaffen abzubauen. Kerry beschrieb die Vereinbarung mit Russland als bisher weitreichendsten Plan zum Abbau von Chemiewaffen. Er betonte, es handele sich lediglich um einen Rahmenvertrag und kein endgültiges Abkommen.

Nach Informationen des Internationalen Instituts für Terrorbekämpfung (ICT) in Israel verfügt Syrien über eines der größten Chemiewaffenarsenale der Welt. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert demnach 1000 Tonnen Chemiewaffen, die in 50 Ortschaften aufbewahrt werden. Syrien hatte die Chemiewaffen als strategisches Gegengewicht gegen eine israelische Atombombe angeschafft. Israel sieht das Giftgasarsenal im feindlichen Nachbarland als Bedrohung und hat stets gewarnt, die Massenvernichtungswaffen könnten in die Hände militanter Gruppierungen fallen.

Netanjahu sagte nach dem Gespräch mit Kerry: "Die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft Syrien gegenüber wird direkte Auswirkungen auf seine Schutzmacht, den Iran haben." Die Diplomatie habe nur dann eine Chance, wenn es auch eine glaubwürdige militärische Drohung gebe. Zuvor hatte er bei anderer Gelegenheit betont: "Israel muss auf jeden Fall vorbereitet und willig sein, sich selbst zu verteidigen, mit eigenen Kräften, gegenüber jeglicher Bedrohung."

Kerry sagte, falls der Abrüstungsplan in Syrien Erfolg haben sollte, wäre dies auch ein deutliches Zeichen an Staaten wie den Iran und Nordkorea. Netanjahu sagte zur angestrebten Kontrolle des iranischen Atomprogramms: "Auch hier zählen nicht Worte, sondern Taten."

Zu dem Nahost-Friedensprozess sagte der US-Außenminister, Ziel der Verhandlungen mit den Palästinensern bleibe eine Zwei-Staaten-Lösung. Man halte sich aber an die Vereinbarung, nichts über den Inhalt der Ende Juli aufgenommenen Gespräche preiszugeben.