Wiesbaden (dpa) - Schwarz-Gelb abgewählt, Rot-Rot-Grün möglich, aber wenig wahrscheinlich: Die Landtagswahl in Hessen hat am Sonntag nach ersten Prognosen keine klaren Mehrheitsverhältnisse gebracht.

Die CDU wird stärkste Partei, die bisher mitregierende FDP fliegt jedoch aus dem Parlament. Die SPD legt kräftig zu, für einen Machtwechsel braucht Rot-Grün jedoch die Linken. Rot-Rot-Grün hatte SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel im Vorfeld aber "politisch" ausgeschlossen, "formal" jedoch nicht und sich somit ein Hintertürchen offengelassen. Käme die Linke nicht in den Landtag, würde es für Rot-Grün reichen.

Den Prognosen von ARD und ZDF zufolge kam die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier auf 39-40,5 Prozent und legte damit etwa 2 bis 3 Punkte zu (2009: 37,2). Die FDP brach nach ihrem Spitzenergebnis 2009 (16,2) um mehr als 9 Punkte auf 4,5 bis 4,8 Prozent ein. Die SPD verbesserte sich um rund 8 Punkte auf 31 bis 32,5 Prozent. Die Grünen lagen mit 9,5 bis 10,5 Prozent 3 Punkte unter ihrem damaligen Rekordergebnis (13,7). Die Linke erreicht 5 bis 6 Prozent (2009: 5,4), die erstmals angetretene eurokritische AfD scheitert mit 4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Sitzverteilung sieht laut hr-Prognose so aus: CDU 50 (2009: 46 Mandate), SPD 39 (29), Grüne 13 (17), Linke 8 (6). Der Wiesbadener Landtag umfasst regulär 110 Sitze, es kann aber Überhang- und Ausgleichsmandate geben. Das ZDF meldet in seiner Prognose: CDU 51, SPD 41, Grüne 12 und Linke 6.

Schäfer-Gümbel (43) galt nach dem Debakel um die gescheiterte Regierungsbildung seiner Vorgängerin Andrea Ypsilanti 2008 zunächst eher als Notnagel denn als Hoffnungsträger. Er reifte jedoch zu einem selbstbewussten Fraktionschef, der die zerstrittenen Parteiflügel nach dem tiefen Fall einte und die SPD wieder aufrichtete.

Ypsilanti war 2008 mit dem Versuch gescheitert, sich mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Vier Abweichler ließen die Wahl damals platzen. Daraufhin stürzte die Partei bei der vorgezogenen Landtagswahl 2009 in ihrer einstigen Hochburg auf ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis (23,7 Prozent) ab.

Bouffier (61) - viele Jahre Innenminister in Hessen - war 2010 als Nachfolger Roland Kochs zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Der CDU-Bundesvize legte sich im eher müden Wahlkampf klar auf ein schwarz-gelbes Bündnis fest und schloss nach einigem Hin und Her kurz vor der Wahl auch eine Koalition mit AfD aus. Er setzte auf die gute wirtschaftliche Lage Hessens und die Popularität von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der FDP, die vor einer Woche in Bayern aus dem Parlament flog und nun wohl aus dem Bundestag, war eine Zitterpartie um den Einzug in den hessischen Landtag vorhergesagt worden.

Bouffier verlangte von seinem Widersacher im Wahlkampf Schäfer-Gümbel vergeblich ein "Ehrenwort", nicht mit der Linken zu koalieren.

In Umfragen vor der Landtagswahl, die parallel zur Bundestagswahl stattfand, hatte es lange Zeit nach einer rot-grünen beziehungsweise rot-rot-grünen Mehrheit ausgesehen. Schwarz-Gelb hatte in den letzten Wochen jedoch trotz FDP-Problemen aufgeholt und das Rennen wieder spannend gemacht.

Wahlberechtigt waren 4,4 Millionen Hessen. Der alte Landtag wird auf jeden Fall noch bis Mitte Januar 2014 im Amt bleiben. Erst dann endet die Legislaturperiode.