Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Aktienindizes haben sich am Dienstag freundlich präsentiert. Der Dax legte am Nachmittag 0,28 Prozent auf 8659 Punkte zu, der MDax mittelgroßer Werte kletterte mit 0,04 Prozent ins Plus auf 14 972 Punkte. Der Technologie-Auswahlindex TecDax verlor dagegen 0,04 Prozent auf 1070 Punkte.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zeigte sich mit plus 0,56 Prozent am Dienstagnachmittag nahe dem Tageshoch fester.

Händler sprachen aber von einem lustlosen Handel ohne die entscheidenden Impulse. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigte kaum Wirkung. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zwar etwas verbessert, blieb aber hinter den Markterwartungen zurück. Experte Ralf Umlauf von der Helaba sagte aber: "Dies ist eine gute Nachricht. Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf und im dritten Quartal dürfte das Wachstum erneut robust ausfallen. Auf politischer Seite gilt es jetzt, zügig eine handlungsfähige Regierung zu bilden, um eine potenzielle Stimmungsbelastung aufgrund einer Hängepartie im Bund zu verhindern." Am Nachmittag könnten US-Daten die Märkte noch einmal bewegen, zudem stehen Reden von Notenbänkern an.

Versorger wurden favorisiert. Nach der am Vortag zunächst noch negativen Reaktion auf die Bundestagswahl mit einer bisher unklaren Regierungsbildung knüpft der Sektor nun an seine Erholungsbewegung an. RWE-Aktien verteuerten sich um 1,67 Prozent. Die Anteile am größten Energiekonzern Eon legten 1,38 Prozent zu. Die Aktien von BMW, Daimler und auch die Vorzüge von VW gewannen jeweils rund 0,8 Prozent bis 1,2 Prozent. Händler sprachen von einer optimistischeren Stimmung im Sektor, die Autowerte in ganz Europa anschiebe. Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe bestätigte: Der Tenor auf der IAA in Frankfurt sei gewesen, dass der Talboden in Europa jetzt erreicht sei und es von nun an wieder langsam aufwärts gehen sollte.

Größter Gewinner im Dax waren aber ThyssenKrupp-Titel mit plus 2,01 Prozent. Bei dem finanziell angeschlagenen Industriekonzern gibt es an einer Stelle Entspannung. Ein Bankenkonsortium werde Kreditlinien über 2,5 Milliarden Euro aufrechterhalten. Die Papiere von K+S rutschten am Dax-Ende um 3,14 Prozent ab. Bernstein-Analyst Jeremy Redenius blieb in einer aktuellen Studie skeptisch für den Düngemittelhersteller. Während Optimisten noch auf eine Wiederbelebung des russisch/weißrussischen Kartells und eine Stabilisierung des Kali-Preises um 400 US-Dollar je Tonne setzten, spreche der Markt eine andere Sprache. Er bleibe skeptisch.

Ein deutlicher Ergebnisrückgang hat die Aktien von Südzucker mit minus 3,74 Prozent an das MDax-Ende gedrückt. Der Zuckerhersteller hält das Erreichen der Ziele durch die Effekte aus der Integration von Ensus bei CropEnergies und wegen der aktuell verhaltenen Geschäftsentwicklung nun für anspruchsvoller. Analyst Nils-Peter Fitzl von Hauck & Aufhäuser hält den Ausblick für zu optimistisch.

Im TecDax brachen die Aktien von PSI nach der einkassierten Prognose des Softwareherstellers um 15,47 Prozent auf 11,505 Euro ein. Die Berliner hatten ihr Gewinnziel für das laufende Jahr wegen juristischer Altlasten und höherer Entwicklungskosten als gedacht drastisch zusammengestrichen. Für Equinet-Analyst Michael Schäfer kommt die schlechte Nachricht völlig unerwartet, er stuft ab.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,50 Prozent (Montag: 1,56) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,35 Prozent auf 133,26 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,49 Prozent auf 139,47 Punkte. Der Euro tendierte leichter. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3473 (1,3508) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7422 (0,7403) Euro.