New York (dpa) - In den Streit um das iranische Atomprogramm kommt nach jahrelangem Stillstand Bewegung. Am Rande der UN-Vollversammlung in New York verhandelt der Iran erstmals wieder mit den fünf ständigen Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat und Deutschland auf Ebene der Außenminister.

Ressortchef Mohammed Dschawad Sarif versicherte am Donnerstag unmittelbar vor Beginn der Gespräche, sein Land wolle "keine Show abziehen", sondern konkrete Ergebnisse.

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Atombombe zu arbeiten. Deshalb gelten harte Sanktionen, die dem Land schwer zu schaffen machen.

In Person des neuen Präsidenten Hassan Ruhani gibt es nun Hoffnung auf Fortschritte. Bei seinem viel beachteten ersten Auftritt vor der UN-Vollversammlung diese Woche in New York wiederholte Ruhani die iranische Darstellung, das Nuklearprogramm seines Landes diene lediglich zivilen Zwecken. Zugleich zeigte er sich aber zu konstruktiven Gesprächen bereit.

Vom Treffen der Außenminister wurden noch keine Fortschritte in der Sache erwartet. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen ist zunächst wichtigstes Ziel, Vertrauen aufzubauen. Dazu müssen auch einige Formalien geklärt werden - zum Beispiel, auf welcher Ebene künftig miteinander verhandelt wird und mit welchen Themen dann begonnen wird. Für Deutschland ist Noch-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in New York. Der Auftakt der Gespräche war für 16.00 Uhr geplant.

Der iranische Außenminister Sarif versicherte nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur INSA: "Wir sind nicht hier, um eine Show abzuziehen, sondern um mit Blick auf die Interessen unseres Volkes Lösungen zu finden und konkrete Ergebnisse zu erzielen." Alle Details sollten "Schritt für Schritt" besprochen werden. Für Sarif und US-Außenminister John Kerry ist dies die erste Begegnung. Beide Länder haben seit mehr als 30 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr.

An den Gesprächen sind auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie die Außenminister aus Russland, China, Frankreich und Großbritannien beteiligt. Alle Seiten versichern, nicht überflüssig viel Zeit verstreichen lassen zu wollen. Irans Präsident Ruhani sagte der "Washington Post": "Eine kurze Frist ist ein Vorteil für jeden. Drei Monate wären unsere Wahl, sechs Monate sind immer noch gut. Es ist aber eine Frage von Monaten, nicht Jahren."

Der neue Kurs der Öffnung wird von den konservativen Kräften im Iran misstrauisch verfolgt. Zugleich gibt es aber auch im Westen Zweifel, ob es Ruhani tatsächlich ernst meint. US-Präsident Barack Obama steht wegen der vorsichtigen Wiederannäherung an Teheran zu Hause ebenfalls unter Beobachtung.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte in den vergangenen Tagen immer wieder davor, Ruhani Vertrauen zu schenken. Nach wie vor steht auch die israelische Drohung mit einem Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen im Raum. Westerwelle hingegen sieht Grund für vorsichtigen Optimismus. Mehrfach mahnte er jedoch, Ruhanis Worten müssten auch Taten folgen.

Nachrichtenagentur ISNA, persisch

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68. Generalversammlung

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Interview in Washington Post