Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat seine richtungslose Entwicklung der vergangenen Handelstage am Donnerstag fortgesetzt. Neue Konjunkturdaten aus den USA bewegten die Kurse kaum.

Es gebe aktuell einige Unsicherheitsfaktoren und dafür halte sich der Markt erstaunlich gut, sagte ein Börsianer. Noch völlig offen sei die Regierungsbildung in Deutschland trotz des klaren Wahlsiegs von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Zudem verunsichere die wackelige politische Lage in Italien. Mit dem Haushaltskonflikt in den USA stehe eine weitere Unbekannte in der Gleichung. Der Dax verlor 0,02 Prozent auf 8664,10 Punkte, während der MDax 0,26 Prozent auf 15 042,18 Punkte gewann. Der TecDax stieg um 0,15 Prozent auf 1079,54 Punkte.

Unter den Einzelwerten knüpften Deutsche-Bank-Papiere mit einem Rückgang von 0,58 Prozent an ihre Vortagesschwäche an. Auf einer Investorenveranstaltung hatte Co-Chef Anshu Jain die Anleger auf ein schwaches Quartalsergebnis vorbereitet. Hinzu kommt Börsianern zufolge das Thema Italien. Eine weitere Verschärfung könnte neue Turbulenzen bei italienischen Staatsanleihen auslösen. Das würde dann insbesondere die Banken belasten. Der Bankensektor war europaweit der schwächste. Adidas-Titel büßten ihre anfänglichen Gewinne ein und verloren letztlich 0,13 Prozent. Dabei scheint die Neuausrichtung der Problemtochter Reebok langsam Früchte zu tragen, was Händler leicht positiv werteten. Neue Bewegung könnte die anstehende Zahlenvorlage des US-Konkurrenten Nike bringen.

Ihren positiven Trend setzen Papiere der Deutschen Telekom fort, die an der Indexspitze 2,27 Prozent gewannen. Bei 10,845 Euro erreichten die T-Aktien im Verlauf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Anteile an K+S verteuerten sich um 2,17 Prozent. In einem erbitterten Streit in der Kali-Branche hat Weißrussland die Untersuchungshaft gegen den Chef des russischen Bergbaukonzerns Uralkali in Hausarrest umgewandelt. Dies schürt einem Händler zufolge Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des russisch/weißrussischen Kali-Kartells und damit auf steigende Kalidüngerpreise.

Tui-Aktien profitierten im MDax mit plus 1,73 Prozent von positiv aufgenommenen Zahlen der Tochter Tui Travel. Ein starkes Sommergeschäft hatte Europas größtem Reiseveranstalter die Kassen gefüllt. Der Rüstungskonzern und Autozulieferer Rheinmetall will mit einem Einstieg ins Öl-Geschäft neue Kunden für seine Rüstungssparte in Afrika, dem Nahen Osten oder Südamerika finden. Die Aktie gab 0,15 Prozent ab. Bei den Nebenwerten verloren Aktien der chinesischen Grohe-Tochter Joyou 1,92 Prozent. Der Badarmaturen-Hersteller Grohe wird vom japanischen Lixil-Konzern übernommen.

Die anderen wichtigen Börsen in Europa tendierten bei relativ geringer Schwankungsbreite uneinheitlich. Der EuroStoxx 50 schloss 0,15 Prozent tiefer bei 2922,99 Punkten. Der Leitindex in Paris fiel um 0,21 Prozent, während jener in London um 0,21 Prozent zulegte. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsende 0,30 Prozent über dem Vortagesschluss.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,46 Prozent (Mittwoch: 1,47 Prozent). Der Rentenindex Rex stieg um 0,06 Prozent auf 133,41 Punkte. Der Bund-Future mit Laufzeit Dezember verlor 0,08 Prozent auf 139,85 Punkte. Der Euro sank marginal. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3499 (1,3504) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7408 (0,7405) Euro.