München (dpa) - Eine Zeugin will Beate Zschäpe vor einem Mordanschlag des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) 2005 in Nürnberg in der Nähe des Tatorts gesehen haben.

Zschäpe habe vor ihr in einem Supermarkt an der Kasse in der Schlange gestanden, sagte die Zeugin am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Sie sei ihr aufgefallen, weil sie einer Schauspielerin aus der US-Fernsehserie "Roseanne" ähnlich sehe: Sara Gilbert, die in der Serie die Figur der Darlene Conner spielt. "Sie stand direkt vor mir."

Zunächst habe sie der Begegnung im Supermarkt keine Beachtung geschenkt, sagte die Zeugin. "Als ich nach ein paar Jahren dieses Fahndungsbild gesehen habe, ist mir eingefallen, dass ich die am Edeka gesehen habe." Die lockigen Haare und das Gesicht hätten sie an die amerikanische Schauspielerin erinnert. Der Vorsitzende Richter legte der Zeugin Bilder der Schauspielerin vor; tatsächlich besteht vom Typ her eine gewisse Ähnlichkeit zu der Hauptangeklagten.

In der Anklageschrift geht die Bundesanwaltschaft aufgrund der Aussagen der Frau davon aus, dass Zschäpe am Tatort war. In ihrer Vernehmung vor Gericht konnte sich die Zeugin allerdings an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern; auch stehen ihre Aussagen zum Teil im Widerspruch zu Angaben, die sie bei einer Vernehmung im Jahr 2005 gemacht hatte. Bislang gibt es keine belastbaren Hinweise, dass Zschäpe bei den Anschlägen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) in der Nähe der Tatorte gewesen sein könnte. Sie ist als Mittäterin an allen Verbrechen der rechtsextremen Terrorgruppe angeklagt.

Die Zeugin berichtete auch, dass sie auf einem Spielplatz in der Nähe des Tatorts zwei junge Männer mit Fahrrädern gesehen habe. Beide hätten sehr kurze, fast rasierte Haare gehabt. "Für mich sahen die aus wie zwei Russen, aber die Gesichter kann ich ihnen nicht mehr beschreiben." Mehrere Zeugen hatten zwei Männer mit Fahrrädern am Tatort gesehen.

Laut Anklage haben Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den 50-jährigen Ismail Yasar am Vormittag des 9. Juni 2005 in seinem Döner-Imbiss erschossen. Insgesamt werden der Neonazi-Gruppierung zehn Morde zur Last gelegt, darunter neun an Geschäftsleuten ausländischer Herkunft.

Pressemitteilung zur Anklageerhebung

Terminankündigung - Achtung: Nummerierung stimmt nicht. Es handelt sich um die Verhandlungstage 48 bis 50