Frankfurt/Main (SID) - Der renommierte Sportrechtsexperte Michael Lehner hat unabhängig vom Ausgang des als Präzedenzfall angesehenen Betrugsprozesses gegen seinen Schützling Stefan Schumacher ein Anti-Doping-Gesetz gefordert. "Die Erkenntnis des Prozesses ist schlechterdings, dass an einem Anti-Doping-Gesetz kein Weg vorbei führt", sagte Lehner dem SID vor der Urteilsverkündung am Dienstag (12.00).

Allein die Laufzeit des Marathonprozesses mit aller Voraussicht nach 19 Verhandlungstagen (geplant waren acht) zeige eine "völlige Überforderung" der Justiz, sagte Lehner: "Egal, wie man dazu steht, man braucht ein Gesetz, um das spezifischer zu fassen."

Der Prozess dreht sich im Grundsatz um die Frage, ob es im ehemaligen Gerolsteiner-Rennstall von Ex-Teamchef Hans-Michael Holczer systematisches Doping gegeben hat oder nicht. Spricht das Stuttgarter Landgericht den 32-jährigen Schumacher schuldig, Holczer betrogen und um das entsprechende Gehalt in den drei Monaten 2008 gebracht zu haben, wäre er der erste deutsche Sportler, der von einem Strafgericht indirekt wegen Dopingvergehen veurteilt würde.