Cottbus (dpa) - Rudi Bommer ist nicht mehr der Trainer des Fußball-Zweitligisten FC Energie Cottbus. Die Verantwortlichen der Lausitzer trauten dem 56-Jährigen die Wende in der sportlichen Krise nicht mehr zu.

Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, die Zusammenarbeit zu beenden, teilte der Club mit. "Wir haben die Situation sehr sachlich analysiert und sind gemeinsam zu der Erkenntnis gekommen, mit einer Veränderung den Druck vom Team nehmen zu können", erklärte Präsident Ulrich Lepsch am Dienstag. Die Cottbuser sind nach der jüngste Negativserie bis auf Abstiegsrang 17 abgerutscht. 13 Punkte nach 13 Spieltagen sind der bislang schlechteste Saisonstart der Cottbuser in der 2. Fußball-Bundesliga.

"Am Samstag bin ich zu meiner Familie nach Hause gefahren, habe mit ihr die Situation besprochen. Ich habe immer betont, mich nicht an einen Posten zu klammern", erklärte Bommer im Interview auf der Club-Homepage: "Wenn ich das Gefühl habe, es geht nicht mehr, dann komme ich auf den Verein zu."

Am Montag hatte Bommer das Training zwar noch geleitet, doch schon da standen die Zeichen deutlich auf Trennung. Die Entlassung des Ex-Profis ist die fünfte in der laufenden Zweitligasaison. "Ich hatte eine bemerkenswerte Zeit in Cottbus und bedanke mich bei den Spielern, vor allem aber beim Funktionsteam, den Mitarbeitern und Gremien für die überaus angenehme Atmosphäre innerhalb des Clubs", meinte Bommer, der sich bereits bei der Mannschaft verabschiedet hat. Assistenzcoach Uwe Speidel wird das Training übergangsweise übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Die Suche nach einem neuen Coach soll möglichst schnell abgeschlossen werden. "Ob das schon bis zum Auswärtsspiel in Hamburg gelingt, wird sich nach Gesprächen mit verschiedenen Kandidaten zeigen", sagte Lepsch. Nach dem Spiel gegen St. Pauli am kommenden Montag wären durch die Länderspielpause zwei Wochen Zeit für Maßnahmen in Verein und Team ohne Wettkampfdruck. Zuletzt hatte Energie von neun Spielen nur eines gewinnen können. Als möglicher neuer Cheftrainer wird der Berliner Stephan Schmidt gehandelt. Der 37-Jährige hatte zuletzt als Trainer beim SC Paderborn gearbeitet. Zudem soll die Clubführung Kontakt zum früheren Kaiserslautern-Trainer Franco Foda aufgenommen haben.

Dem Energie-Kader war für die laufende Saison durchaus zugetraut worden, um den Aufstieg mitzuspielen. Die Sehnsucht nach dem deutschen Fußball-Oberhaus war beim früheren Erstligisten (2000-03 und 2006-09) aus der Lausitz nie abgeflaut. Nun geht es in Cottbus darum, den Absturz in die dritte Liga zu vermeiden.

Im Januar 2012 hatte Bommer den FC Energie mit 23 Punkten als Tabellen-Zehnten übernommen, am Saisonende entging der Club als 14. mit 35 Zählern nur knapp dem Abstieg. In der folgenden Spielzeit hielt das Bommer-Team lange Zeit Anschluss zu den Spitzenrängen, rutschte mit acht sieglosen Spielen dann aber ins Mittelfeld ab. Insgesamt brachte es Bommer auf einen schwachen Schnitt von 1,17 Punkten in bisher 65 Spielen mit Energie. Sein Vorgänger Claus-Dieter Wollitz hatte noch 1,49 Punkte pro Partie geschafft. Zu wenig, um noch einmal an der Tür zur Bundesliga zu klopfen.

Die Trainer von Energie Cottbus seit 1994:

* Interimstrainer