Freiburg (SID) -

Das Lob des Bundestrainers konnte Timo Werner gar nicht hören. Der überragende Jungstar des VfB Stuttgart feierte gerade seinen zweiten Treffer im Derby beim SC Freiburg zum Endstand von 3:1 (2:0), als sich Joachim Löw auf der Tribüne erhob. "Das hat Werner überragend gemacht", sagte Löw - und ging einige Minuten vor dem Abpfiff. Offensichtlich hatte er genug gesehen.

Werner, der 17-Jährige, hatte erst am 17. August gegen Bayer Leverkusen sein Bundesliga-Debüt gegeben, fünf Wochen später erzielte er gegen Eintracht Frankfurt sein erstes Bundesliga-Tor - und seit Sonntag ist er der jüngste Doppeltorschütze der Liga-Geschichte. Er traf in der 10. und 82. Minute so kaltschnäuzig wie ein Torschützenkönig. "Er hat besondere Fähigkeiten, was den Speed angeht. Und er ist für sein Alter richtig abgezockt vor dem Tor", sagte VfB-Trainer Thomas Schneider.

Werners erstes Tor war Teil eines Turbo-Doppelschlags, mit dem sich die Schwaben im vierten Derby des Jahres bei den Freiburgern für das Pokal-Aus revanchierten. Vedad Ibisevic hatte bereits nach neun Minuten mit dem 1:0 erahnen lassen, wohin die Reise für die Freiburger gehen könnte - eine Woche nach dem vermeintlich befreienden 3:0 im Kellerduell beim 1. FC Nürnberg. Für den Sport-Club traf Mike Hanke (78.). Die Stuttgarter, die auf den achten Rang vorrückten, feierten den ersten Sieg nach vier Partien ohne Dreier.

Schon in der 2. Minute hatten die Stuttgarter die erste Chance. Nach einer gefährlichen Hereingabe von Außenverteidiger Konstantin Rausch reagierte SC-Torwart Oliver Baumann gut. Beide Teams mussten mit widrigen Bedingungen zurechtkommen. Durch den stundenlangen Dauerregen im Breisgau war der Platz stark aufgeweicht und stand stellenweise sogar unter Wasser.

Dennoch erarbeiteten sich die Freiburger in der 7. Minute eine Doppelchance. Zunächst scheiterte Admir Mehmedi am Stuttgarter Torhüter Sven Ulreich, dann streifte der Kopfball von Matthias Ginter knapp am Tor vorbei.

Die Gäste machten es im Gegenzug besser, Ibisevic traf zum achten Mal in dieser Saison. Nur eine Minute später machte Werner den Doppelschlag nach einem tollen Sololauf perfekt. Es war das zweite Saisontor des Jungstars, der auch in der Schlussphase bei einem Konter die Nerven behielt.

Auch Mitte der ersten Hälfte hatten die Freiburger die beiden frühen Gegentore noch nicht verdaut. Die Stuttgarter kontrollierten ohne große Mühe das Spiel. Mehmedi hätte für Hoffnung im Lager der Freiburger sorgen können, der Schweizer brachte den Ball nach einem Freistoß aber nicht im Tor unter (24.).

Mehr war von den Breisgauern bis kurz vor der Pause nicht zu sehen. In der 40. Minute forderten die Gastgeber einen Foulelfmeter nach dem Einsatz des Stuttgarter Verteidigers Karim Haggui an Felix Klaus. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) ließ aber weiterlaufen. Die Szene war umstritten.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber mit viel Elan aus der Kabine, nach knapp zehn Minuten kontrollierten die Schwaben aber wieder das Geschehen. In der 58. Minute reklamierten die Freiburger erneut einen Strafstoß für sich, sie wollten ein absichtliches Handspiel von Moritz Leitner gesehen haben. Nur wenige Sekunden später scheiterte Ginter per Kopf an Ulreich. Im Anschluss nahm der Freiburger Druck wieder zu.