Köln (SID) - Die Gewerkschaft der Polizei (GDP) verstärkt ihre Unterstützung für Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein in deren Kampf um Schadenersatz vor dem Münchner Landgericht. Josef Scheuring, der Vorsitzende der GdP (Abteilung Bundespolizei), erstattete bei der Staatsanwaltschaft München I Anzeige wegen des Verdachts des versuchten Prozessbetrugs gegen die Anwälte Dirk-Reiner Martens und Christian Keidel, die den Eislauf-Weltverband ISU im Schadenersatzprozess vor dem Münchner Landgericht vertreten.

Scheuring wirft den Anwälten vor, sich durch "erweislich falsche" Behauptungen einen "Prozessvorteil zu erheischen, indem sie vor Gericht logen". Die GdP, in der Polizeihauptmeisterin Pechstein Mitglied ist, will durch die Anzeige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die ISU erwirken, die im Endeffekt Pechstein in deren Kampf um Schadenersatz zugutekommen.

"Die Behauptung der Verdächtigen im Prozess, 'keine der von der Klägerin seit 2009 genommenen Proben [habe] Retikulozytenwerte außerhalb der Norm aufgewiesen', ist nachweislich falsch", heißt es in dem Strafantrag, der dem SID vorliegt.

Die ISU hatte Pechstein 2009 anhand eines indirekten Dopingnachweises wegen erhöhter Retikulozyten (junge rote Blutkörperchen) für zwei Jahre gesperrt. Mit ihrer angeblich falschen Aussage verfolgen die Anwälte nach GDP-Auffassung das Ziel, das Gericht über die tatsächlichen Retikoluzytenwerte Pechsteins zu täuschen und so einer Verurteilung zu entgehen.

Ihrer Auffassung nach belegen die auch nach 2009 erhöhten Retikulozyten-Werte Pechsteins die Existenz einer Blutanomalie, die Pechstein vom Dopingvorwurf entlastet. Die ISU hingegen hält ein Dopingvergehen Pechsteins bis heute für erwiesen. Pechstein verlangt von der ISU Schadenersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Das Landgericht München I will am 29. Januar entscheiden, ob Pechsteins Klage zugelassen wird.