Chennai (SID) - Titelverteidiger Viswanathan Anand (Indien) und Herausforderer Magnus Carlsen (Norwegen) haben sich bei der Schach-WM in Indien auch in der vierten Partie mit einem Remis getrennt. Der Norweger schien dabei lange auf dem Weg zum ersten Sieg, nach fast sechs Stunden gab es aber erneut keinen Sieger. Die fünfte Partie findet am Freitag statt.

"Es ist schade, dass ich so eine gute Stellung nicht gewinnen konnte, aber mein Gegner hat sehr gut gekämpft und sich hervorragend verteidigt. Ich weiß nicht, an welcher Stelle ich meine Gewinnchance vertan habe", sagte Carlsen. Der 43 Jahre Anand erklärte, seine Eröffnung sei "fürchterlich schief gelaufen. Ich habe einen unlogischen Zug nach dem anderen gemacht."

Der Weltmeister begann mit dem Doppelschritt des e-Bauern, worauf der 21 Jahre jüngere Herausforderer die Berliner Verteidigung der Spanischen Eröffnung wählte. Nach dem frühen Damentausch stand nach 17 Zügen ein für diese Variante normales Endspiel auf dem Brett. Anand bot überraschend ein Bauernopfer am Damenflügel an und Carlsen schnappte mit seinem Läufer sofort zu. Dieser Moment erinnerte an die 1. Partie des Jahrhundert-Wettkampfes zwischen "Bobby" Fischer und Boris Spassky in Reykjavik 1972. Damals konnte Spassky Fischers Läufer fangen und gewinnen, dieses Mal konnte Carlsen seinen Läufer aber aus der Ecke befreien und einen Mehrbauern konsolidieren.

Der Norweger schien auf dem sicheren Weg zu seinem ersten Sieg, doch der "Tiger von Madras" setzte zum Konter an. Er aktivierte seine Türme auf der c-Linie und opferte einen weiteren Bauern. Kurz vor der Zeitkontrolle warf Carlsen mit einem schwachen Turmzug auf die Grundreihe seinen Vorteil weg. Anand nutzte die Gelegenheit und drang mit einem seiner Türme ins gegnerische Lager ein. Carlsen besaß aber noch einen Mehrbauern, so dass Anand schnell den Remishafen ansteuerte.

Der Norweger stellte seinem Gegner zwar noch einige Fallen, doch "Vishy" hielt dem Druck stand. Er tauschte einige Figuren ab und es entstand ein Doppelturmendspiel mit einem Mehrbauern für Carlsen am Damenflügel, das ihm aber keine Gewinnchancen bot. Das Remis nach Anands 64. Zug war letztendlich das logische Resultat.

Der Wettkampf ist bis zum 28. November auf zwölf Partien angesetzt. Insgesamt beträgt das Preisgeld 2,55 Millionen Dollar (1,89 Millionen Euro). Davon bekommt Carlsen bereits vor dem Start 100.000 Dollar (74.000 Euro), weil er im Heimatland seines Gegners antreten muss. Endet die WM regulär nach höchstens zwölf Partien, bekommt der Sieger 60 Prozent, der Verlierer 40 Prozent der Summe. Sollte es zu einer Verlängerung kommen, ändert sich das Verhältnis auf 55:45.