Washington/Frankfurt (dpa) - Die designierte neue Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, hat starke Signale für eine anhaltend lockere Geldpolitik in den Vereinigten Staaten gesendet.

In einer kurzen Rede, die Yellen am Donnerstag während ihrer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats halten wird, erkennt sie zwar die bessere Verfassung der amerikanischen Wirtschaft an. Allerdings sei noch viel zu tun, um während der Krise verloren gegangenen Boden gut zu machen.

Beobachter wie Finanzinvestoren sahen sich in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die derzeitige Fed-Vizechefin eine mindestens ebenso lockere Haltung vertreten dürfte wie der gegenwärtige Notenbankchef Ben Bernanke.

Eine starke Erholung werde es der Fed letztlich ermöglichen, ihre Geldpolitik zurückzufahren und weniger auf unkonventionelle Instrumente wie Wertpapierkäufe zu vertrauen, heißt es in dem am späten Mittwochabend (Ortszeit) vorab veröffentlichten Redetext: "Ich glaube, die Erholung heute zu stützen, ist der sicherste Weg, um zu einer normaleren geldpolitischen Haltung zurückzukehren."

Wirtschaft und Arbeitsmarkt in den USA entwickelten sich immer noch weit unter ihren Möglichkeiten. Zugleich liege die Inflationsrate unterhalb des Zielwerts der Notenbank von zwei Prozent. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, schätzt Yellen.

Die Äußerungen deuteten nicht auf einen baldigen Kurswechsel der Fed hin, kommentierte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Eigentlich hatte die Federal Reserve im Sommer in Aussicht gestellt, ihre zur Konjunkturstützung aufgelegten Wertpapierkäufe noch in diesem Jahr zu verringern.

Daraus wurde bislang aber nichts. Im Oktober stieß die Fed Beobachter wie Investoren vor den Kopf, als sie entgegen aller Erwartungen die geldpolitische Wende abblies. Ob die Notenbank ihre letzte Chance, ihre ursprüngliche Absicht in diesem Jahr umzusetzen, bei der nächsten Zinssitzung im Dezember nutzen wird, ist alles andere als sicher - trotz zuletzt überraschend robuster Jobdaten.

Erste Marktreaktionen deuteten in die gleiche Richtung. Der US-Dollar wurde durch die Bemerkungen Yellens spürbar belastet. Amerikanische Staatsanleihen legten zu, im Gegenzug sanken die Renditen.

Soweit der US-Senat keine Steine in den Weg legt, wird Yellen im Februar 2014 als erste Frau an die Spitze der Fed rücken. Sie gilt als Befürworterin einer lockeren Geldpolitik, im Fachjargon "Taube" genannt. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung am Arbeitsmarkt.

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