München (SID) - Die für 2015 in Aussicht gestellte Einführung technischer Hilfsmittel bei Torentscheidungen im deutschen Profi-Fußball bedarf offenbar noch weiterer Überlegungen. Geschäftsführer Andreas Rettig von der Deutschen Fußball Liga (DFL) brachte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Samstag-Ausgabe) vor der im nächsten Jahr anstehenden Entscheidung der Vereine über den Zeitpunkt und die anzuwendende Technik sogar noch neuartige Computer-Brillen für Schiedsrichter als zusätzliche Alternative ins Gespräch.

Den schleppend erscheinenden Festlegungsprozess der DFL im Vergleich zum Weltverband FIFA oder zur englischen Premier League bzw. der niederländischen Ehrendivision, die bereits Torlinientechnologien nutzen, begründete der 50-Jährige mit einer Vielzahl von ungeklärten Fragen bis hin zur Absicherung der notwendigen Stromversorgung.

"Wenn wir heute über technischen Fortschritt denken, dann müssen wir auch den nächsten Schritt in Erwägung ziehen", erläuterte Rettig ungeachtet eines zu zu erwartenden "langen Verfahrensweges" seinen Vorstoß für den "elektronischen Durchblick" der Referees: "Wenn der Schiedsrichter in seiner Brille das sieht, was jeder Zuschauer auf der Coach sieht, dann ist ein wichtiges Argument gegen den Videobeweis, nämlich dass der Schiedsrichter auf dem Platz nicht mehr Herr des Verfahrens ist, vom Tisch. Er könnte die Szene sofort bewerten."

Hinsichtlich der bislang diskutierten Kontrollmöglichkeiten von strittigen Torszenen nannte Rettig ausdrücklich nochmals auch Chip-Bälle von zwei Anbietern als Gegenmodelle zu den von FIFA und Premier League genutzten Torlinien-Kameras hin: "Wenn wir die Torlinien-Technik zum 1. Juli 2014 einführen würden, dann fielen diese beiden Anbieter heraus, weil die Einführung der ballorientierten Systeme eine längere Vorlaufzeit erfordert. Das wäre unklug, wenn wir unsere Verhandlungsposition so schwächen würden."

Als Basis für die Grundsatzentscheidung der Vereine über die Einführung neuer Technik sowie die Wahl des Kontrollverfahrens strebt die DFL Rettigs Darstellung zufolge eine absolut lückenlose Prüfung sämtlich erdenklicher Eventualitäten an.

Der frühere Bundesliga-Manager nannte als Aspekte die Beschaffenheit von Kameralinsen in Stadien mit Laufbahnen, die unterschiedliche Form von Pfosten, ausreichende Stromversorgung in Notfällen, das veränderte Flugverhalten eines Chip-Balles und die Versorgung der Vereine mit ausreichend vielen Chip-Bällen, weiterhin unübersichtliche Torraum-Szenen und auch die Abstimmung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über die Anwendung bei Relegations- und Pokalspielen.

Die in siebenstelliger Höhe kalkulierten Kosten für die Einführung jedweder technischer Schiedsrichter-Hilfen, durch die der Referee im Fall der Brille binnen Augenblicken Informationen im Sichtfeld angezeigt bekäme, hingegen würden nur eine untergeordnete Rolle spielen. Rettig: "Bei einem Milliardenumsatz, den die Bundesliga macht, ist das sicherlich nicht die Hauptfrage."