Dresden (dpa) – Clemens Prokop bleibt für vier weitere Jahre Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Beim 46. Verbandstag am Samstag in Dresden fiel das Votum für den 56-jährigen Juristen aus Regensburg mit 172:10-Stimmen deutlich aus.

"Die Erfolge fallen uns nicht in den Schoß und müssen hart erarbeitet werden", sagte Prokop, der seit 2001 den DLV führt. "Wir haben aber das Potenzial und die Perspektive, die glänzenden Erfolge fortzusetzen". Bei den Olympischen Spielen 2012 in London holten die DLV-Asse zuletzt acht Medaillen.

Zum Nachfolger des bisher für den Leistungssport verantwortlichen Vizepräsidenten Günther Lohre wurde Hartmut Grothkopp gewählt, der Präsident des sächsischen Leichtathletik-Verbandes. Neu in der DLV-Führung ist auch Ernst Burgbacher. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium übernimmt die Funktion des Schatzmeisters. Er scheidet nach der Bildung einer neuen Bundesregierung aus der Politik aus.

Einen ungewöhnlichen Auftritt abseits der nichtssagenden Grußworte hatte DOSB-Interimspräsident Hans-Peter Krämer. Er räumte Fehler bei der früh gescheiterten Münchner Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2022 ein. "Ich habe Zweifel, ob der Zeitpunkt nach dem Scheitern der Kandidatur für 2018 der richtige war und dass man noch die Landtags- und Bundestagswahlen abgewartet hat", bekannte er bei dem Verbandstag. "Es war ein Brummen in der Bevölkerung da, das nicht richtig wahrgenommen wurde." Die betroffenen Bürger hatten am vergangenen Sonntag klar gegen die Kandidatur gestimmt.

Außerdem habe es nach Ansicht des Übergangs-Präsidenten des DOSB nicht gereicht, nur prominente Sportler als Befürworter ins Rennen zu schicken. "Die Olympia-Gegner haben die neuen sozialen Medien genutzt, um ihre Leute an die Urne zu bringen", sagte Krämer. Zudem sei es nicht gelungen, die Menschen zu überzeugen, die Winterspiele für eine Bedrohung der Umwelt ansehen. "Es war das umweltschonendste, nachhaltigste Konzept, das es für Olympische Spiele auf der Welt je gegeben hat", erklärte Krämer.

Zugleich habe man der Kritik, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) wie ein geldverschlingender Moloch mit seinem Knebelvertrag über München und den Partnerkommunen herfallen würde, nicht wirksam entkräften können. "Dabei wäre der Gewinn der Spiele zu 60 Prozent an die Kommunen geflossen und zu je 20 Prozent an den DOSB und das IOC. Dazu hat das IOC 500 Millionen Euro für die Organisation zugesagt", erklärte er und sprach von einer verpassten Chance: "Es wären wunderbare und fröhliche Spiele und eine Initialzündung für den deutschen Sport geworden." Nun müsse man eine Strategie entwickeln, "um für das Thema Sport in der Öffentlichkeit mehr Sympathien zu entwickeln".

Beim Verbandstag des Leichtathletik-Verbandes, der sich im Kampf gegen Doping besonders engagiert und nicht selten gegen den DOSB opponiert hat, betonte Krämer auch, dass man das gleiche Ziel eines manipulationsfreien Wettbewerbs habe. "Wir sind uns nicht immer über den Weg einig, der zum Ziel führen kann, aber wir sollten keine Betonmauern aufbauen", meinte er. Der engagierte Doping-Bekämpfer Prokop versicherte, keine Mauern bei der Debatte aufbauen, wohl aber weiter offen und kontroverrs über das Thema diskutieren zu wollen: "Die Doping-Frage ist die entscheidende."