Paris (dpa) - Der mysteriöse Attentäter von Paris ist gefasst. Ein 48 Jahre alter Mann, der zumindest früher dem linksextremen Milieu angehörte, konnte in der Nacht durch einen DNA-Abgleich als mutmaßlicher Täter identifiziert werden, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Ihm werden unter anderem zwei Überfälle auf Medienhäuser und die Entführung eines Autofahrers vorgeworfen. Bei dem Überfall auf die Tageszeitung "Libération" war am Montag ein Fotoassistent niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden.

Die Ermittler hatten den Verdächtigen am Mittwochabend nach einem Hinweis aus der Bevölkerung in einer Tiefgarage in der Pariser Vorstadt Bois-Colombes festgenommen. Er musste jedoch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes zunächst in ein Krankenhaus gebracht werden. Als Hintergrund wurde ein Selbstmordversuch mit Medikamenten vermutet. Sein Motiv für die Überfälle war zunächst weiter unklar.

Der Mann habe offensichtlich einen oder mehrere Briefe hinterlassen, sagte Frankreichs Innenminister Manuel Valls am Donnerstag dem Radiosender RTL. Weitere Details nannte er jedoch nicht. Nach Informationen des Nachrichtensenders BFMTV geht es in einem Schriftstück unter anderem um Libyen, Syrien und die Lage in der arabischen Welt. Die Aufzeichnungen würden allerdings verrückt klingen, hieß es.

Innenminister Valls bestätigte, dass es sich bei dem Festgenommenen um Abdelhakim Dekhar handelt. Dieser war bereits in den 90er Jahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Damals hatte er ein Gewehr gekauft, das bei einem aufsehenerregenden Verbrechen zum Einsatz kam. Bei diesem erschoss ein junges Pärchen aus der linksextremen Szene im Oktober 1994 bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd drei Polizisten und einen Taxifahrer. Zudem kam einer der Täter ums Leben. Seine Komplizin wurde 2009 nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Nach dem mysteriösen Attentäter von Paris hatte die französische Polizei seit Montag mit einem Großaufgebot und mehreren Fotos von Überwachungskameras gefahndet. Weil dem Täter weitere Überfalle zugetraut wurden, bewachten Sicherheitskräfte den Zugang zu großen Medienhäusern in Paris. Zeugen der Überfälle hatten den Schützen als ruhig und sehr entschlossen wirkend beschrieben.

Der mutmaßliche Täter war am Montag ins Foyer der linksliberalen Zeitung "Libération" eingedrungen und hatte dort einen 23 Jahre alten Fotoassistenten mit einem Gewehr niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Im Geschäftsviertel La Défense soll er anschließend vor der französischen Großbank Société Générale um sich geschossen haben. Von einem gekidnappten Autofahrer ließ er sich dann ins Zentrum von Paris bringen. Bereits am Freitag hatte der Mann beim Nachrichtensender BFMTV einen Redakteur bedroht.

Zum Fahndungserfolg führte nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP der Hinweis eines Mannes, bei dem der Attentäter zuletzt wohnte. Ihm gegenüber soll der mutmaßliche Täter gesagt haben: "Ich habe eine Dummheit gemacht."