Sotschi (SID) - OK-Chef Dmitri Tschernyschenko hat hat Repressalien und staatliche Maßnahmen gegen Schwule und Lesben während der Olympischen Winterspiele in Sotschi ausgeschlossen. "Was kann ich hinzufügen, wenn Präsident Putin mehrfach versichert hat, es werde keine Diskriminierung geben? Egal, ob wegen Ethnizität, Religion oder sexueller Orientierung", sagte Tschernyschenko rund zweieinhalb Monate vor dem Beginn der Spiele (7. bis 23. Februar 2014) in der russischen Schwarzmeerstadt in einem ZDF-Interview.

Laut Tschernyschenko habe die internationale Aufregung über das umstrittene Anti-Homosexuellen-Gesetz "nichts mit der Realität zu tun". Der OK-Chef sagte: "Wenn jemand sich die Nägel bunt lackiert oder einen Regenbogen-Anstecker trägt, wird das nicht als Propaganda irgendeiner Art ausgelegt werden. Niemand wird darauf achten. Unser offizielles Outfit beispielsweise ist voller Regenbogen-Farben. Niemand wird uns verdächtigen, dass wir damit für etwas werben."

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte mit der Unterzeichnung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes Ende Juni international für Empörung gesorgt, sogar Boykott-Forderungen gegen die Spiele waren laut geworden. Danach hatte der Staatspräsident erklärt, das Gesetz sei nicht zur Ausgrenzung von "Menschen mit nicht-traditioneller Orientierung" verabschiedet worden. "Es geht dabei nur um den Schutz Minderjähriger vor öffentlicher Propaganda durch nicht traditionell orientierte Menschen", sagte Putin.

Für den früheren russischen Vize- Ministerpräsidenten und heutigen Kreml-Kritiker Boris Nemzow ist indes die Situation der Homosexuellen im Land "nur ein Beispiel für die Verletzung der Menschenrechte". Im Interview mit dem Auslandsjournal des ZDF forderte der in Sotschi geborene 54-Jährige von den westlichen Ländern, während der Winterspiele ein Zeichen zu setzen.

"Das ist ein großartiger Zeitpunkt, um Freiheit für politische Gefangene zu erreichen", sagte Nemzow: "Olympia ist Putins ganz persönliches Projekt. Das Projekt, mit dem er zeigen will, dass er einer der stärksten Staatsmänner der Welt ist. Deswegen wäre es ein echtes Problem für Putin, wenn Angela Merkel nicht zur Eröffnungsfeier käme."