Berlin (dpa) - Union und SPD setzen ihre Koalitionsverhandlungen in der siebten großen Runde fort. Eine Stunde später als geplant kamen die rund 75 Unterhändler nach getrennten Vorberatungen zusammen.

Sie wollen Papiere aus den Arbeitsgruppen Gesundheit, Finanzen und Integration billigen. Danach soll der Bund ab 2015 ohne neue Schulden auskommen. Die Dauer von Asylverfahren soll auf drei Monate begrenzt werden. Einig sind sich beide Seiten auch, Kliniken stärker nach Qualität auszurichten, rasche Facharzttermine zu garantieren und Pflegeleistungen auf alle Demenzkranke auszuweiten.

Es bleiben aber auch in diesen Bereichen große Streitpunkte etwa die von der SPD geforderte Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft. Differenzen gibt es ferner in zentralen Finanzierungsfragen in der Gesundheits- und Pflegepolitik.

Die Ausgabenwünsche von Union und SPD belaufen sich bisher auf rund 50 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Summe soll in der kommenden Woche bei den Schlussverhandlungen auf unter zehn Milliarden Euro gedrückt werden.

Zuvor hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beide Seiten zum Kompromiss aufgerufen.

"Auch ich werde Sachen zustimmen müssen, die ich von Haus aus nicht für richtig gehalten habe", sagte Merkel bei einem Führungskräftetreffen der "Süddeutschen Zeitung" in Berlin. Als Beispiel dafür nannte sie einen flächendeckenden Mindestlohn, eine der Kernforderungen der SPD. Dagegen lehnte sie Steuererhöhungen strikt ab.

Den Abbau des staatlichen Schuldenbergs bezeichnete die CDU-Vorsitzende als "zentrales Projekt" für die nächsten vier Jahre. Zugleich mahnte sie zur Einhaltung der Schuldengrenzen auch auf europäischer Ebene. "Europas Problem ist, dass wir fast alles schon versprochen und ziemlich wenig davon gehalten haben", sagte Merkel. "Wir haben ein nationales Interesse daran, dass wir europaweit wieder auf die Beine kommen."

Zwei Monate nach der Bundestagswahl räumte die Kanzlerin ein, dass die Koalitionsverhandlungen nur mühsam vorankommen. "Wir machen es uns nicht einfach. Das können sie jeden Tag bestaunen." Die große Koalition sei "kein Herzenswunsch der Politiker". Union und SPD müssten aber den Wunsch der Wähler respektieren. "Die Wähler haben weder dem Wirtschaftsflügel der CDU die absolute Mehrheit gegeben noch dem linken Flügel der SPD. Nur in der Summe zusammen kommen wir zu einer Regierungsfähigkeit."

Merkel forderte vom künftigen Koalitionspartner ein klares Bekenntnis zur Rente mit 67 Jahren. Sie zeigte zwar Sympathie für die Rente mit 63 für langjährige Beschäftigte. "Das ist menschlich verständlich". Aber die Rente mit 67 dürfe nicht zerlöchert werden. "Wir müssen sehr aufpassen, dass wir da keine falschen Signale aussenden."

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) rechnet trotz der Schwierigkeiten fest mit dem Zustandekommen einer neuen großen Koalition. Die SPD-Mitgliederbefragung werde positiv ausgehen, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die SPD-Basis entscheidet ja auch über die Zukunft ihrer kompletten Führung." Die Koalitionsverhandlungen sollen nächste Woche abgeschlossen werden. Die SPD will dann Anfang Dezember ihre Mitglieder befragen. Als Termin für die Wiederwahl Merkels im Bundestag wird der 17. Dezember angestrebt.