Rom (dpa) - Der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi hat nach Auffassung des Gerichts in Mailand die Marokkanerin "Ruby" für Sex bezahlt - und von ihrer Minderjährigkeit gewusst.

Es sei "bewiesen, dass der Angeklagte Sex mit Ruby im Austausch für große Summen Geld und andere Vorteile wie etwa Schmuck hatte", zitierten italienische Medien aus der schriftlichen Urteilsbegründung.

Zudem gebe es keinen Anlass zu zweifeln, dass Berlusconi wusste, dass er es mit einer Minderjährigen zu tun hatte. "Gerade die Chronologie der Ereignisse, (...) und der klare Inhalt der aufgenommenen Dialoge laufen - jenseits jeden vernünftigen Zweifels - auf die Erbringung des Beweises hinaus, dass der Angeklagte über ihre Minderjährigkeit Bescheid wusste."

In dem Verfahren um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch war der 77-Jährige im Juni in erster Instanz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden; Berlusconi hat aber Rechtsmittel eingelegt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte er auch keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden.

Das Gericht sah es im Juni als erwiesen an, dass Berlusconi bei angeblich wilden "Bunga-Bunga"-Nächten in seiner Villa Arcore in Mailand für Sex mit minderjährigen Prostituierten zahlte. Im Mittelpunkt stand "Ruby" - die jedoch bestritt, Sex mit Berlusconi gehabt zu haben. In der schriftliche Begründung heißt es nun, die Gesamtwürdigung der Beweise zeige, dass Ruby, die mit wirklichem Namen Karima El Mahroug heißt, in ein System der Prostitution in Arcore eingebunden gewesen sei.

Die Richter hatten Berlusconi außerdem des Amtsmissbrauchs schuldig gesprochen. Mit Anrufen bei der Polizei soll er im Mai 2010 - noch als Ministerpräsident - nach einer Festnahme "Rubys" deren Freilassung erwirkt haben. Danach hatten die Ermittler begonnen, Rubys Telefon abzuhören; in Telefonaten hatte sie über ihre Affäre mit Berlusconi gesprochen.

Bei Berlusconis Einschreiten bei der Polizei müsse berücksichtigt werden, dass der Premier hier aus privatem Interesse schwerwiegend auf die Entscheidungsfreiheit des zuständigen Polizeibeamten und seiner Vorgesetzten eingewirkt habe - "um sich selbst zu schützen und zu vermeiden, dass Ruby ihre Aktivitäten in der Prostitution in der Villa Arcore offenbart."

Berlusconi steht noch wegen einer Reihe anderer Strafverfahren unter Druck. In einem Prozess wurde Berlusconi Beihilfe zur Veröffentlichung abgehörter Telefongespräche vorgeworfen; demnächst steht ihm ein Verfahren wegen Bestechung eines Senators bevor. Vor allem aber ein rechtskräftiges Urteil wegen Steuerbetrugs macht ihm zu schaffen. Er bekam eine Haftstrafe, die er in Sozialdiensten oder in Hausarrest absolvieren kann. Er soll zudem zwei Jahre lang keine öffentlichen Ämter mehr ausüben. Der Senat will deshalb am 27. November über seinen Ausschluss entscheiden.