Köl (SID) - Der Mainzer Sportmediziner Perikles Simon hat scharfe Kritik am aktuellen Doping-Kontrollsystem geübt und die strikten Meldeauflagen für Spitzensportler infrage gestellt. "Wir haben eine Phase erreicht, wo es perverser für den Athleten fast nicht mehr werden kann", sagte Simon im Interview mit der Nachrichtenseite n-tv.de. Angesichts zahlreicher Lücken im Doping-Kontrollsystem und der geringen Trefferquoten sei die Verhältnismäßigkeit im Anti-Doping-Kampf nicht mehr gegeben.

Der Doping-Experte von der Universität Mainz sieht die gegenwärtige Praxis, die Sportlern starke Eingriffe in ihre Privatsphäre abverlangt, für ethisch fragwürdig. "Der Athlet muss minutiös Buch führen darüber, wann er sich wo befindet, damit der Kontrolleur kommen kann. Aber über das, was dann die Dopingkontrollinstanz an Akribie und Genauigkeit an den Tag legt, wissen wir wenig", sagte Simon. Bekannt sei vielmehr, dass sehr häufig "mit den Daten der Athleten geschlampt" wird, sagte Simon.

Zudem sieht Simon ein Missverhältnis bei der Verteilung der Gelder im Anti-Doping-Kampf. So würden weltweit rund 350 Millionen Dollar für Tests ausgegeben, aber nur sieben Millionen Dollar zur Entwicklung neuer Testverfahren. Wichtig sei, das Kontrollsysem "zu kontrollieren und zu verbessern".