Brüssel/Frankfurt (dpa) - Im Dauerstreit um europaweit einheitliche Regeln zur Rettung und Schließung von Banken rechnet Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem bis Jahresende mit einer Einigung.

"Ich hoffe, dass die Koalitionspartner in Deutschland bis dahin ausreichend Fortschritte gemacht haben, damit wir einen Beschluss fassen können", sagte Dijsselbloem am Freitag beim Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Ob bis dahin eine Regierung stehe, könne er zwar nicht vorhersagen. Er sei aber optimistisch, dass im Dezember auf EU-Ebene ein Kompromiss gefunden werde.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigt sich wenig kompromissbereit. Ehe es eine europäische Haftung gebe, seien die Nationalstaaten gefordert, sagte Schäuble am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt. Den Rettungsschirm ESM dafür heranzuziehen, sei "jenseits aller Realität". Eine gemeinschaftliche Hilfe für Banken dürfe es nur geben, wenn die Möglichkeiten der Mitgliedsstaaten erschöpft sind. "Sonst schaffen wir nur wieder Fehlanreize."

Die EU und die Europäische Zentralbank (EZB) streiten für eine andere Lösung. Sie fordern die schnelle Einführung eines gemeinsamen europäischen Auffangnetzes für Banken. Laut EZB-Chef Mario Draghi sollte dies am besten schon stehen, wenn der gemeinsame Abwicklungsmechanismus Anfang 2015 in Kraft treten soll. Andernfalls drohten neue Ungleichgewichte in der EU, warnte Draghi.

Die Bankenabwicklung steht beim nächsten regulären Treffen der Finanzminister am 10. Dezember wieder auf der Agenda. Am 19. und 20. Dezember tagt der EU-Gipfel, bis dahin soll der Kompromiss stehen. Dijsselbloem sagte, wenn nötig werde dazu ein Sondertreffen noch vor dem Gipfel angesetzt.

Bundesregierung und Bundesbank beklagen seit längerem, dass eine ausreichende Rechtsgrundlage für den sogenannten Einheitlichen Abwicklungsmechanismus ("Single Resolution Mechanism"/SRM) fehlt. Dies könne eine Klagewelle nach sich ziehen. Deshalb plädiert Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einer Übergangszeit für ein Netzwerk nationaler Behörden mit nationalen Restrukturierungsfonds. Die EZB lehnt Übergangsregeln bei der Einführung eines einheitlichen Abwicklungsmechanismus für Banken aber ab.

Kern der künftigen Abwicklungsregeln ist, dass der Steuerzahler nicht mehr als erster bei einer Schieflage von Banken einspringen soll. Stattdessen sollen Aktionäre und Gläubiger stärker zur Rettung eines Instituts herangezogen werden. Erst wenn das nicht reicht, soll ein öffentliches europäisches Auffangnetz helfen. Wie das gefüllt werden soll, ist aber noch umstritten. Deutschland hat die Sorge, für die Altlasten von Banken in anderen Ländern haften zu müssen.

Ehe die EZB in einem Jahr die zentrale Aufsicht über die Banken in der Eurozone übernimmt, müssen sich die Institute einer Überprüfung aussetzen. Dabei will die EZB Schwachstellen bei den Banken finden, die notfalls mit frischem Kapital gestopft werden sollen. So will die EZB sicherstellen, dass sie möglichst keine Altlasten übernimmt.