Dessau-Roßlau (dpa) - Es bleibt dabei: Der Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, Philipp Oswalt, muss seinen Posten zum 1. März 2014 räumen.

Der Stiftungsrat beschloss am Freitag endgültig einstimmig eine Neuausschreibung der Stelle - nach intensiver Diskussion, wie Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) in Dessau-Roßlau nach der Sitzung sagte. Der wissenschaftliche Beirat der Stiftung nannte die Entscheidung einen Skandal.

"Wir werden unverzüglich ausschreiben, das geht nächste Woche los", sagte Dorgerloh. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrates. Die Hintergründe für die Ablösung des Stiftungsdirektors nannte Dorgerloh weiterhin nicht. Er verwies auf Vertraulichkeit bei Details zu Personalentscheidungen. Oswalt werde sich vorerst nicht zu der Entscheidung des Stiftungsrates und zu seiner beruflichen Zukunft äußern, sagte sein Sprecher. Das Bauhaus Dessau hat als Kunst- und Designschmiede weltweit den Ruf einer Ikone der Klassischen Moderne. Es gehört zum Unesco-Welterbe.

"Ein Vertrauensverhältnis ist zwischen dem Stiftungsrat und dem Direktor unabdingbar, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen", sagte Dorgerloh. "Das Vertrauensverhältnis ist nicht zerstört, aber es ist beschädigt", fügte er hinzu. Jetzt gelte es die Weichen für das Bauhausjubiläum 2019 zu stellen, sagte er unter Hinweis auf umfangreiche Vorhaben. Das Bauhaus wurde 1919 in Weimar gegründet und zog später nach Dessau um.

Der Architekt und Publizist Oswalt ist seit 2009 Stiftungsdirektor. Der 49-Jährige gilt als unbequem. Kritiker werfen ihm mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Der Standort für den geplanten Bau eines Bauhausmuseums in Dessau-Roßlau gilt als Zankapfel zwischen Oswalt und dem Stiftungsrat. Der Architekt wollte es in der Nähe des Bauhauses haben. Indes hat der Stiftungsrat in seiner Sitzung auch entschieden, dass das Museum an einem anderen Standort entstehen wird - in der Innenstadt von Dessau-Roßlau im Stadtpark, hieß es.

Oswalts Vertrag läuft nach fünf Jahren Ende Februar 2014 aus. Sein Vorgänger Omar Akbar war zwei Amtszeiten, für zehn Jahre, Direktor der Stiftung. Die Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Stiftungsrates, Franziska Bollerey, sagte: "Wir sind nicht einverstanden mit der Entscheidung. Wir sehen keinen besseren Mann als Oswalt". Ihr Stellvertreter, Hartmut Böhme, sagte: "Nach diesen ganzen Skandalen werden sich die Bewerber sehr genau überlegen, ob sie sich hier bewerben." Der wissenschaftliche Beirat werde seinerseits über Konsequenzen nachdenken, das Gremium befürchte durch die Personalentscheidung erheblichen Schaden am Ruf des Bauhauses.

Der Stiftungsrat hatte sich bereits im Spätsommer in einem schriftlichen Verfahren für eine Neuausschreibung der Direktorenstelle entschieden - was bereits zu einem Aufschrei in der Kulturszene im In- und Ausland führte. Dieser auch damals einstimmig gefasste Beschluss sei bei der Sitzung nicht aufgehoben worden, sagte Dorgerloh. Der Stiftungsrat habe während der Sitzung "sehr ausdrücklich" die Verdienste von Oswalt bei der weiteren Entwicklung und Öffnung des Bauhauses gewürdigt, sagte Dorgerloh.

Zu den Aufgaben der Stiftung gehört es, das Erbe des Bauhauses zu bewahren, weiter zu erforschen und Wissen zu vermitteln. Dorgerloh betonte, wenn nicht jetzt die Stelle des Direktors neu ausgeschrieben werde, müsste dies genau zum Bauhausjubiläum 2019 geschehen, was der denkbar ungünstigste Zeitpunkt sei.

Dem Stiftungsrat gehören Vertreter des Landes, des Bundes und der Stadt Dessau-Roßlau an. Das Gremium wird von einem wissenschaftlichen Beirat mit Experten aus Kunst und Architektur beraten.

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