Genf (dpa) - Die Genfer Atomgespräche gehen in einen vierten Verhandlungstag. Bis kurz vor Ende des dritten Tages sah es am Freitag nach einem erneuten Scheitern aus, aber mit dem Eintreffen des russischen Außenministers Sergej Lawrow kam plötzlich Bewegung in die Verhandlungen.

Jetzt wird eine Fortsetzung der Verhandlungen am Wochenende im Beisein der Außenminister der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands (5+1) erwartet.

"Wir haben immer noch Differenzen, besonders über vier Verhandlungspunkte, aber zwei von ihnen wurden ausgeräumt und wir haben Fortschritte erzielt", sagte Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am frühen Samstagmorgen, ohne Details zu nennen. "Wir haben bei den Verhandlungen gewisse Fortschritte erzielt, die uns einem Durchbruch näher gebracht haben", erklärte zuvor sein Stellvertreter Abbas Araghchi.

Lawrow, der am Nachmittag in Genf eingetroffen war, kam am Freitagabend mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif zusammen. Nach den positiven Signalen aus dieser Unterredung   
kündigte das State Department in Washington an, auch US-Außenminister John Kerry mache sich auf den Weg nach Genf. Er wolle noch am Freitagabend (Ortszeit) aufbrechen.

Auch der französische Außenminister Laurent Fabius wollte am Samstag zu den Gesprächen in Genf hinzustoßen, berichtete "Le Monde" unter Berufung auf diplomatische Kreise. Und sein britischer Kollege William Hague kündigte über den Kurznachrichtendienst Twitter für Samstag seine Reise nach Genf an. Am Samstag wurde auch Wang Yi aus Peking erwartet, ebenso wie der amtierende deutsche Außenamtschef Guido Westerwelle.

Bei einem eventuellen Durchbruch soll ein Abkommen unterzeichnet werden. Obwohl beide Seiten dazu noch keine Details verrieten, scheint es sich nach Angaben aus diplomatischen Kreisen bei der Einigung um eine sechsmonatige Zwischenlösung zu handeln. Dabei werde der Iran einige Teile seines Atomprogramms aufgeben, einschließlich der Urananreicherung auf 20 Prozent, sowie den Bau eines Schwerwasserreaktors. Im Gegenzug soll es bei den wirtschaftlichen Sanktionen Lockerungen geben, darunter dem Vernehmen nach eine Aufhebung der Bankensanktionen und Teile des Ölembargos.

Aus der iranischen Delegation hieß es: "Die Gegenseite will viel, gibt aber wenig." Teheran pocht auf das Recht eines zivilen Nuklearprogramms. Viele Länder haben aber den Verdacht, dass der Iran unter diesem Deckmantel nach Atomwaffen strebt. Die Islamische Republik weist dies zurück.

Der iranische Vizeaußenminister Madschid Tachte Rawanchi hatte von einem "guten und nützlichen Treffen" gesprochen und eine Verlängerung des Treffens um einen Tag bis Samstag nicht ausgeschlossen. "Wir sagen nur, dass die Einstellung der Urananreicherung unsere rote Linie ist", sagte er.

Bei einem Treffen der Außenminister der fünf UN-Vetomächte sowie Deutschlands (5+1) mit der iranischen Delegation vor zwei Wochen schien eine Lösung bereits in greifbarer Nähe. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton als Leiterin der 5+1-Gruppe traf am Freitagnachmittag erneut den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.