Köln (SID) - Eineinhalb Wochen vor der DOSB-Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Wiesbaden wird der Ruf nach einem Anti-Doping-Gesetz lauter und konkreter. Zwei der größten deutschen Fachverbände bringen eine gemeinsame Resolution ein. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und sein Kollege Thomas Weikert vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) fordern strafrechtliche Sanktionsmöglichkeiten gegen Sportler, nicht nur gegen ihr Umfeld. Der DTTB modifizierte entsprechend seine frühere Resolution an die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

"Am Ende ist vielleicht der DOSB der einzige, der das Gesetz noch immer nicht will. Er muss nur aufpassen, dass ihn die Politik nicht mit eigenen Lösungen überholt", sagte Clemens Prokop dem SID. Der Jurist verweist auf veröffentlichte Inhalte der möglichen Koalitionsvereinbarung zwischen Union und SPD, die nach seiner Meinung darauf schließen lassen, "dass die Politik dem Sport vorauseilt".

Weikert sagt: "Wenn zwei große Verbände bei diesem Thema zusammenarbeiten, sind wir im Anti-Doping-Kampf stärker aufgestellt. Der deutsche Sport muss in seiner Gesamtheit deutlich machen, dass er auch mit Hilfe von strafrechtlichen Möglichkeiten gegen Doping vorgeht."

In der neuen Resolution, mit der der Bundestag um die Erarbeitung eines Anti-Doping-Gesetzes gebeten wird, sind neben einer Reihe anderer Maßnahmen ausdrücklich strafrechtliche Sanktionsmöglichkeiten gegenüber dopenden Sportlern sowie eine Kronzeugenregelung gefordert. DTTB und DLV wollen zudem eine zweckgebundene Erhöhung der Ausgaben für die Sportförderung, um endlich die Finanzierung der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) abzusichern.

"Nach der neuen Formulierung würde auch intelligentes Doping als Tatbestand erfasst, also das Doping in der Trainingsphase", sagte Prokop, der auch die Kronzeugenregelung ausdrücklich gutheißt: "Sie ist ein wichtiger Anreiz, denn durch die Preisgabe bedeutsamer Informationen über Hintermänner und Mittäter kann die Strafe reduziert werden. Auch dies ist Bestandteil eines vernünftigen Anti-Doping-Gesetzes."