Rom (dpa) - Im italienischen Senat haben die Parteifreunde Silvio Berlusconis mit allen Mitteln den drohenden Ausschluss des früheren Regierungschefs zu verhindern versucht.

"Das ist eine Meuterei, ein schwerwiegender Fehler, den man bereuen wird", rief der Senator Carlo Giovanardi von der Partei Nuovo Centrodestra (Neue Rechte Mitte, NCD) in Rom. Die Parlamentskammer sollte am Abend über das Ende der politischen Ära des wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilten Berlusconis entscheiden.

Schon vor Beginn der Abstimmung zeichnete sich eine Mehrheit für den Ausschluss des 77-Jährigen aus dem Senat ab. Seine Partei Forza Italia (FI) versuchte bis zuletzt, Berlusconis Karriere zu retten. Am Nachmittag demonstrierten Tausende Anhänger Berlusconis in Rom für ihre Leitfigur.

Seit dem Vormittag war im Senat hitzig über den geforderten Rauswurf Berlusconis debattiert worden. Während das regierende Mitte- Links-Bündnis und die oppositionelle 5-Sterne-Bewegung (M5S) entschlossen waren, Berlusconi auszuschließen, wollten seine neu gegründete Partei FI und die davon abgespaltene Nuovo Centrodestra für Berlusconi stimmen. Vier FI-Senatorinnen erschienen als Zeichen der Trauer ganz in schwarz im Parlament.

Die Abstimmung über Berlusconis Ausschluss ist eine Konsequenz aus dessen erster rechtskräftiger Verurteilung wegen Steuerbetrugs. Er war Anfang August in einem der zahlreichen Prozesse gegen sich in letzter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Als rechtskräftig verurteilter Steuerbetrüger darf Berlusconi kein politisches Amt mehr ausüben. Zudem darf er sich für sechs Jahre nicht mehr um öffentliche Ämter bewerben - er wäre damit bis zu seinem 83. Lebensjahr aus der Politik ausgeschlossen.

Am Nachmittag demonstrierten die Unterstützer Berlusconis in Rom. Auch mehrere FI-Parlamentarier nahmen an der Veranstaltung teil. Berlusconi-Anhänger hielten Plakate in die Höhe, auf denen "Staatsstreich" oder "Heute zerfällt die Demokratie" stand. Viele der Menschen waren eigens für die Demonstration nach Rom gereist. "Ich bin hier, weil man kein sinkendes Schiff verlässt. Silvio Berlusconi ist unser Anführer, natürlich glauben wir, dass er unschuldig ist und werden bis zum Ende an seiner Seite sein, sagte der 51-jährige Luigi.

Berlusconi selbst wollte vor der Abstimmung zu seinen Anhängern sprechen und anschließend die Entscheidung mit seiner Familie in Mailand verfolgen. Im Senat wollte der dreimalige Regierungschef nicht auftreten. Sein Ausschluss wäre das Ende einer politischen Ära, zwei Jahrzehnte prägte Berlusconi die Politik seines Landes.

Berlusconis Partei hatte noch am Mittwoch eine geheime Abstimmung beantragt, um die Chance auf Überläufer aus dem gegnerischen Lager zu erhöhen. Der Versuch war aber gescheitert. Auch Berlusconi selbst hatte bis zum Schluss versucht, seinen Mandatsverlust zu verhindern. Er hatte neue Beweise für seine Unschuld angekündigt, an die Senatoren der anderen Parteien appelliert und Staatspräsident Giorgio Napolitano indirekt aufgefordert, ihn zu begnadigen.

Appell Berlusconis an die Senatoren

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