Rom (dpa) - Kurz vor der entscheidenden Abstimmung über einen Ausschluss Silvio Berlusconis aus dem Senat versucht dessen Partei weiter, ihre Leitfigur zu retten.

Die Forza Italia (FI) des italienischen Ex-Regierungschefs beantragte nach Beginn der Senatssitzung erneut eine geheime Abstimmung, die Senatspräsident Pietro Grasso jedoch ablehnte. Vor der für den Abend geplanten öffentlichen Abstimmung begann am Vormittag die Debatte.

Berlusconis Unterstützer wollten am frühen Nachmittag in Rom demonstrieren. Der 77-Jährige traf sich am Morgen mit seinen Vertrauten in der Hauptstadt. Er selbst wolle während der Abstimmung am Abend nicht im Senat anwesend sein, sondern das Ergebnis gemeinsam mit seiner Familie in Mailand abwarten, hieß es.

Die Abstimmung über Berlusconis Ausschluss ist eine Konsequenz aus dessen erster rechtskräftiger Verurteilung wegen Steuerbetrugs. Er war Anfang August in letzter Instanz zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Als rechtskräftig verurteilter Steuerbetrüger darf Berlusconi kein politisches Amt mehr ausüben. Anfang Oktober hatte sich bereits der Immunitätsausschuss der Parlamentskammer für einen Ausschluss des Mitte-Rechts-Politikers ausgesprochen.

Mit den Stimmen der Senatoren der Regierungspartei PD (Demokratische Partei) und der oppositionellen 5-Sterne-Bewegung (M5S) zeichnet sich eine klare Mehrheit für den Rauswurf Berlusconis ab. Berlusconis FI und die ebenfalls neu gegründete Partei Nuovo Centrodestra (NCD) von Vize-Regierungschef Angelino Alfano halten jedoch dagegen. "Das ist eine Meuterei, ein schwerwiegender Fehler, den man bereuen wird", kritisierte NCD-Senator Carlo Giovanardi.

Auch Berlusconi selbst hatte bis zum Schluss alles versucht, um seinen Mandatsverlust zu verhindern. Er hatte neue Beweise für seine Unschuld angekündigt, an die Senatoren der anderen Parteien appelliert und Staatspräsident Giorgio Napolitano indirekt aufgefordert, ihn zu begnadigen, ohne jedoch darum zu bitten.

Die FI war am Dienstag zudem aus der Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta ausgestiegen, jedoch zunächst ohne Folgen für die Stabilität der Koalition. Berlusconis vorherige Partei Volk der Freiheit (PdL) war an der Frage zerbrochen, wie sie sich bei einem Ausschluss ihrer Leitfigur verhält. Sie spaltete sich in FI und NCD. Die NCD unterstützt die Regierung weiter.