Costa do Sauípe (dpa) - Als Bundestrainer Joachim Löw im heißen Salvador landete, musste Brasiliens Sportminister wieder einmal lästige Fragen nach den Problemen beim Stadionbau beantworten.

Zwei Tage vor dem mit Spannung erwarteten Auslosungs-Spektakel im Küstenort Costa do Sauípe räumte auch Aldo Rebelo ein, dass die drei WM-Arenen in São Paulo, Cuiabá und Curitiba nicht fristgerecht an den Fußball-Weltverband übergeben werden können. Mit Leidenschaft und Pathos wehren sich die FIFA und ihr Chef Joseph Blatter gegen Kritik am Ort und Modus der Auslosung. Löw dagegen genießt vor der WM einen riesigen Vertrauensvorschuss.

"Über einer Weltmeisterschaft steht für die Spieler nichts mehr. Das spürt man immer im Vorfeld", sagte der 53 Jahre alte Freiburger. Die Mehrzahl der Deutschen glaubt an eine erfolgreiche Titelmission im kommenden Sommer. 55 Prozent der Befragten trauen Löw und seinem Team im Sommer 2014 den großen Coup zu, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa ergab. Nur 29 Prozent beantworteten eine entsprechende Frage mit Nein. Und lediglich 21 Prozent der Menschen meinen, dass Löw bei einem überraschenden Ausscheiden schon vor dem Viertelfinale zurücktreten sollte.

Nur acht Prozent der deutschen Bevölkerung befürchten, dass die DFB-Elf schon nach der Vorrunde in Brasilien ausscheiden könnte. 76 Prozent haben eine solche Befürchtung nicht. 59 Prozent votieren auch bei einem K.o. im Achtelfinale oder früher gegen einen Rücktritt des Bundestrainers. "Man spürt es, je näher ein Turnier rückt. Die ganze Nation steht hinter einer Mannschaft", sagte Löw.

Gastgeber Brasilien und die FIFA dagegen stehen weiter in der Kritik. Auch der Ort der Auslosung sorgt für Verwunderung. Den Nobel-Urlaubsort an der Atlantikküste kennen 98 Prozent der Brasilianer höchstens von Hochglanz-Prospekten. "Die Auslosung ist doch ein Bestandteil der großen Show WM", verteidigte Blatter das pompöse und acht Millionen Euro teure Auslosungs-Spektakel am Meer.

"Das ist ein Fest des Fußballs. Da sollten wir jetzt keine Fragen stellen und die Größe des Ereignisses schmälern", kanzelte Brasiliens Verbandspräsident und OK-Chef José Maria Marin vor der Loszeremonie am Freitag Reporter ab.

Aus den Niederlanden kam Kritik am Auslosungsverfahren. "Wir sind davon ausgegangen, dass das am schlechtesten platzierte europäische Team, also Frankreich, in den zweiten Topf kommt. Doch die FIFA weicht davon ab. Wir wollen gerne wissen, warum sie das getan hat", sagte der Direktor des nationalen Verbandes, Bert van Oostveen, im Fernsehsender NOS. Der KNVB will sich deshalb an die FIFA wenden.

Der vielgescholtene Verband musste sich auch noch gegen absurde Rassismus-Vorwürfe wehren, weil die Moderatoren der Auslosung, Fernanda Lima und Rodrigo Hilbert, hellhäutig sind. "Das ist lächerlich", sagte Mediendirektor Walter de Gregorio.

Zwischen den luxuriösen Hotelanlagen von Costa do Sauípe haben FIFA und lokales Organisationskomitee für rund acht Millionen Euro eine künstliche Auslosungs-Landschaft geschaffen. Ein 9000 Quadratmeter großes weißes Zelt bietet Platz für 1300 geladene Gäste und Medienvertreter aus der ganzen Welt. 30 Grad und Sonnenschein werden erwartet, wenn Lothar Matthäus, Zinédine Zidane & Co. in die vier Töpfe greifen und die Vorrundengruppen zusammenstellen.

Und genau das erhoffen sich die FIFA und ihr Vorsitzender Blatter bei der TV-Übertragung in 193 Länder: Bilder von Autogramme schreibenden Altstars auf dem roten Teppich und freundlich-lächelnden Volunteers, von Kokospalmen am Sandstrand und erwartungsfrohen Nationaltrainern. Da sollen keine kritischen Fragen gestellt und die Probleme beim Stadionbau am besten gänzlich ausgeblendet werden.

Die Fristverlängerung für die drei WM-Arenen in São Paulo, Cuiabá und Curitiba tat Sportminister Aldo Rebelo mit einem Scherz ab. "Es ist wie bei einer Hochzeit. Ich habe noch nie eine Braut gesehen, die pünktlich da war und trotzdem ist die Hochzeit nie geplatzt", sagte er. Alle Stadien würden rechtzeitig fertig für das Zuckerhut-Spektakel. "Wir machen uns keine Sorgen", sagte Rebelo.

Leidenschaftlich zum einen, kurzsilbig-genervt zum anderen reagierten Blatter und Marin tags zuvor auf kritische Fragen. "Die Begeisterung steigt, die Erwartungshaltung nimmt zu, in Brasilien und in der Welt. Fußball bedeutet Brasilien, Brasilien bedeutet Fußball", sagte Blatter und betonte: "Es wird eigentlich von allen Fußballfans akzeptiert, dass die Auslosung etwas Spektakuläres sein wird."

Link zur YouGov-Umfrage