New York (dpa) - Es ist die Sensation des Jahres auf dem Zeitschriftenmarkt: Die Journalismuslegende "Newsweek" kommt an die Kioske zurück. Damit wird zum ersten Mal eine größere Zeitschrift, die sich ins Internet verabschiedet hatte, wieder gedruckt erscheinen.

Skeptiker zweifeln zwar am Erfolg, aber die Branche dürfte das Experiment mit größtem Interesse verfolgen.

"Es wird ein Premiumprodukt, ein Edelprodukt", sagte Chefredakteur Jim Impoco der "New York Times". Als Starttermin nannte er nur "Januar oder Februar". Geplant sei eine 64-seitige Ausgabe. Das sind 18 Seiten weniger als die letzte gedruckte "Newsweek" vor knapp einem Jahr, aber genau so viel wie das "Time"-Magazin von dieser Woche.

Es war der frühere "Time"-Redakteur Thomas Martyn, der die Zeitschrift 1933 gründete. Die Titelbilder waren immer ein Hingucker: Stars, Präsidenten, Forscher, einfache Leute - wer vom "Newsweek"-Titel aus dem Kiosk guckte, der war jemand in der Welt. Zum Beispiel Angela Merkel, untertitelt mit "ACHTUNG! It's Angela!". Während "Time" sich auf Politik konzentrierte, setzte "Newsweek" auf Bilder und Reportagen. Wenn "Time" der amerikanische "Spiegel" ist, dann war "Newsweek" der "Stern".

1991 hatte das Blatt 3,3 Millionen Leser. Von da an ging es steil bergab. Als der Radiotechnikpionier Sidney Harman die Zeitschrift im August 2010 übernahm, waren es nur noch 1,5 Millionen Leser. Er zahlte für die Legende einen Dollar - ein Heft am Kiosk hätte das Vierfache gekostet. Allerdings übernahm Harman auch die Schulden, die die "New York Times" auf 40 Millionen Dollar schätzte.

Ein paar Wochen später verschmolz die alte, angesehene "Newsweek" mit einer gerade zwei Jahre alten Internetplattform mit dem seltsamen Titel "The Daily Beast". Deren Chefin, die ebenso charismatische wie harte Tina Brown, wurde Chefin beider Redaktionen. Im Oktober letzten Jahres kündigte Brown an, dass "Newsweek" nicht mehr gedruckt werde. Genau so wie drei Jahre zuvor "Life", auch wegen der Fotoreportagen eine Legende, sollte es "Newsweek" nur noch im Internet geben.

Doch das Experiment scheiterte und im August wurde "Newsweek" schon wieder verkauft. "The Daily Beast" ging wieder eigene Wege und Brown auch. Die 60-Jährige, einst von der Branche als Bedrohung und Hoffnungsträgerin zugleich gesehen, wollte sich sogar ganz zurückziehen.

Und jetzt will "Newsweek" da wieder starten, wo so viele andere dahinsiechen? "Es wird mehr ein Abonnementmodell" sagte Chefredakteur Impoco. Die Zeitschrift sei auf ihre festen Leser mehr angewiesen als auf die Werbeeinnahmen. Und diese Leser seien bereit, mehr zu bezahlen. Die letzte "Newsweek" hatte immerhin fast sieben Dollar gekostet. Das war allerdings der Kioskpreis, im Abonnement sind die Hefte in den USA weit billiger. Der "Playboy" wurde neulich sogar im Jahresabo für acht Dollar verramscht - so viel kostet am Kiosk ein einzelnes Heft.

Impoco hat die Redaktion kräftig erweitert und will dennoch billiger produzieren als früher. Gespart werden solle aber weniger in den Redaktionen als bei Druckern und Lieferanten. 100 000 Exemplare sollen im ersten Jahr vertrieben werden. Das ist dürftig im Vergleich zu den früheren Jahren, aber es sind 100 000 Hefte mehr als jetzt. "Ein historischer Titel ist zurück von den Toten", schrieb ausgerechnet Ex-Partner "The Daily Beast". Überschrieben war der Beitrag mit "Good Luck", "Viel Glück".

Artikel in der "New York Times"

"Newsweek" im Netz

Artikel im "Daily Beast"