Frankfurt/Main (dpa) - Die Kurse deutscher Aktien haben sich vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum von der Stelle bewegt. Die Anleger hielten sich vor der Notenbank-Sitzung und der anschließenden Pressekonferenz zurück, sagten Börsianer.

Der deutsche Leitindex Dax lag mit einem geringen Plus von 0,13 Prozent bei 9152 Punkten. Der MDax verlor mit 0,10 Prozent auf 15 949 Punkten etwas, der TecDax trat mit plus 0,04 Prozent auf 1122 Punkte auf der Stelle, ebenso der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50, der 0,03 Prozent tiefer stand.

Die EZB-Sitzung ist für Anleger das wichtigste Ereignis des Handelstages. Sie erwarteten nach der überraschenden Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,25 Prozent im vergangenen Monat jedoch überwiegend keine große Änderung in der Geldpolitik. "(EZB-Präsident Mario) Draghi dürfte aber verdeutlichen, dass die EZB Gewehr bei Fuß steht, weitere Maßnahmen auf den Weg zu bringen", sagte Expertin Jana Meier vom Bankhaus HSBC Trinkaus.

Starkes Interesse gelte insbesondere der Pressekonferenz mit dem Inflationsausblick bis 2015, sagte Händlerin Anita Paluch von der Varengold Bank. Eine niedrige Vorausschätzung der Teuerungsrate könnte demnach die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Geldpolitik in der Eurozone noch lange locker bleibt.

Ein deutliches Plus von mehr als drei Prozent fuhren bei den Einzelwerten die Titel von Merck ein. Der Chemie- und Pharmakonzern will für 1,9 Milliarden Euro die britische AZ Electronic Materials übernehmen und damit sein Chemiegeschäft stärken. Dafür zahlen die Darmstädter einen Aufschlag von 41 Prozent auf den Durchschnittspreis der Aktie der Briten in den vorangegangenen drei Monaten.

Aktien der Lufthansa verloren 0,10 Prozent. Ein Händler verwies auf die Gewinnwarnung des australischen Konkurrenten Qantas. Zwar seien die Probleme größtenteils auf Australiens Luftverkehrsmarkt bezogen, sollten aber dennoch auf dem gesamten Sektor lasten.

Tui-Papiere reagierten mit einem kräftigen Plus von fast vier Prozent auf Fusionsgespräche der Beteiligung Hapag-Lloyd. Die Reederei lotet eine Kooperation mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV aus. Tui will sich seit langem von dem 22-Prozent-Anteil an der Reederei trennen.

Titel des Handelsriesen Metro rutschten nach einem negativen Analystenkommentar um fast vier Prozent ab. Im Tarifkonflikt des Einzelhandels hatten die Verhandlungspartner in Baden-Württemberg zudem eine erste Einigung über steigende Löhne erzielt. Die zum Handelskonzern gehörenden Verbrauchermärkte Real und Kaufhof beschäftigten bundesweit Mitte des Jahres rund 55 000 Mitarbeiter, bei Media Markt und Saturn arbeiteten etwa 27 000 Menschen.